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9783734102578_CoverEine Familiengeschichte, die erschauern lässt. Alles scheint immer wieder sonnenklar zu sein, aber alles ist anders. Vor allem Sander, die Hauptfigur - oder ist es doch eher Alma, die Mutter von Sander.

Die Familientragödie beginnt, als der 11jährige Sander bei einer Nachtwanderung spurlos verschwindet. Sein bester Freund Maarten wird tot aufgefunden. Sander wird nie gefunden, aber seine Mutter gibt nicht auf, nach ihm zu suchen. Sie spürt, er lebt.

Das Buch setzt ein, als der mittlerweile 17jährige Sander wieder auftaucht. Sein Entführer, mit dem er die vielen Jahre im Wald gelebt hat, ist gestorben, Sander hat ihn begraben und schlägt sich nun zur nächsten Polizeidienststelle durch.

Alma ist überglücklich. Sie hatte nie aufgegeben zu hoffen und fühlt sich bestätigt. Aber die neue Situation ist nicht so einfach. Die mittlerweile getrennt lebenden Eheleute und auch die etwas ältere Schwester Iris, alle reagieren auf den stillen, zurückgezogenen Sander auf ihre Art. Auch die Nachbarn, die Mutter des toten Maarten, ehemalige Bekannte haben ihre ganz eigene Meinung zum totgeglaubten Jungen.

Der Leser ahnt, unterstützt durch eingeschobene Sequenzen aus der Vergangenheit - Iris Erlebnisse mit ihrem Bruder - dass irgendetwas nicht stimmt. Iris Freund Christiaan reagiert sonderbar, Alma erhält seltsame anonyme Briefe, usw. Die Spannung des ohnehin sehr fesselnd geschriebenen Romans steigt, man mag ihn nicht mehr aus der Hand legen.

Und am Ende ist alles ganz Anders! Brilliant geschrieben, toll übersetzt. Ein Thriller, wie er sein soll. Gerne empfohlen für Freunde des Genres.

Anders. Thriller / Anita Terpstra. Aus dem Niederländischen von Jörn Pinnow. - Blanvalet, 2016. - Broschur, 382 S. - ISBN 9783734102578 ; 9,99 €

 

 

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9783548288420_coverAber Schwestern bleiben wir immer!? - Komme was da wolle? Das scheint die einzige Konstante im Leben von Alex und Katja zu sein. Die beiden charakterlich völlig verschiedenen Schwestern haben ihre Kindheit mit einer lieblosen und abweisenden Mutter und einem früh verschwundenen Vater auf ganz eigene Weise in ihr Erwachsenenleben hinübergetragen.

Alex versucht, eine Bilderbuchfamilie mit Mann und Kindern zu leben. Weil sie es selbst nicht erlebt hat, nimmt sie Maß an den Waltons, einer idealisierten Fernsehfamilie ihrer Jugend. Aber Sie hat es schwer. Ihr drittes Kind, ein Mädchen, ist von Geburt an schwerst behindert und stirbt früh. Ihre Idylle bröckelt. Ihr Mann verlässt sie wegen einer jüngeren Frau. Die beiden pubertierenden Kinder wollen lieber beim Vater bleiben.

Katja reagiert mit Bindungsangst und hat einen Liebhaber nach dem anderen. Ihr Sohn Jonas aus einer der ersten Verbindungen ist 15 Jahre alt und läuft völlig aus dem Ruder, womit sie aber nicht umgehen kann. Er ist ihr eher lästig, als dass sie sich sorgt.

Vor kurzem ist Ines, die Mutter der beiden Schwestern gestorben. Das Buch setzt ein, als Alex einen unvollendeten Brief an die Schwestern findet, der ihnen große Rätsel aufgibt. Sie fahren zusammen in das Dorf, in dem sie aufgewachsen sind. Was sie mühsam herausfinden, stellt ihr ganzes Leben auf den Kopf.

Wir erleben die spannende Entwicklung mal aus Alex Sicht, in der Ich-Form geschrieben, mal aus Katjas Perspektive. Hier wählt die Autorin die dritte Person, was aber als Innensicht Katjas ebenfalls wie ein Ich anmutet.

Schön zu sehen, wie sich im Lauf der Geschichte die beiden Charaktere jeweils in die andere Richtung entwickeln, sich also quasi annähern. Alex wird lockerer, Katja schafft es, sich zu binden.

Meiner Meinung nach eine sehr schön komponierte Familiengeschichte mit immer neuen, unvorhergesehenen Wendungen. Das macht das Buch spannend bis zu letzten Seite.

Schwestern bleiben wir immer. Roman / Barbara Kunrath. - Ullstein, 2016. - Broschur, 304 S. - ISBN 9783548288420 ; 9,99€

 

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Achtung! Mit diesem Buch kann man sich schwer vertun. Wer hier einen klassischen Whodunit erwartet, liegt falsch und wird enttäuscht. Cover, Seitenzahl und Untertitel lassen darauf schließen, es handele sich um einen dieser kurzen, spannenden Krimis, die man in einem Rutsch durchliest und sich am Ende freut, dass mal wieder die Guten gewonnen haben und der Böse im Knast sitzt. IMG_20160818_115454

Hier bekommt man im Gegenteil einen Einblick in das korrupte Brasilien Anfang der 90er Jahre, fest gemacht an der misslungenen Entführung des Sohnes eines einflussreichen Werbemanagers. Am Ende spielen alle falsch. die Familie, die Polizei und die Politik. Nur bei den Ganoven und kleinen Leuten findet man noch so etwas wie Gewissen und die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden.

Wer sich also auf das Buch von Edney Silvestre, ein in seinem Heimatland bekannter Journalist und Fernsehmoderator, einlässt, bekommt einen kleinen, psychologischen Roman zu lesen, der sehr fein die einzelnen Charaktere aus den verschiedensten Bevölkerungsschichten herausarbeitet. Und wie man auf dem Schnappschuss meiner Morgenzeitung von gestern sieht, hat die Thematik nicht an Aktualität eingebüßt.

Die Entführung des taubstummen Kindes der Hausangestellten ist nur der Aufhänger für einen Plot, der sich nach und nach in Zeitsprüngen und Perspektivwechseln entwickelt. Wie viel ein Menschenleben wert ist, bemisst sich hier nur nach seinem erpressbaren Marktwert. Wer Geld hat, bestimmt, in welche Richtung die Polizei ermittelt und wer für eine Tat verantwortlich gemacht werden kann. Auf die Wahrheit kommt es nicht mehr an.

Kein schneller Krimi also, sondern ein durchaus nachwirkender und nachdenklich machender Roman. Sehr lesenswert!

Der stumme Zeuge : Kriminalroman / Edney Silvestre. Aus dem aus dem Portugiesischen von Kirsten Brandt. - Limes, 2016. - fest geb. mit Schutzumschlag, 224 S. - ISBN 9783809026587 19,99 €

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bagusClara Maria Bagus schreibt therapeutisch. Dieses Buch ist Menschen zu empfehlen, die in einer Sinnkrise stecken, die einen Anstoß brauchen, ihr Leben einmal von einer anderen Seite zu betrachten.
In einer beispielhaften Sinnsuche schickt die Autorin ihre Hauptfigur "ein Mann" auf eine lange Wanderung auf der Suche nach dem bunten Vogel, der den Frühling verspricht. Im Herzen und auch vor dem Haus des Mannes ist Winter. Er beobachtet einen Vogel, der nur durch seine Gegenwart die Knospen der Pflanzen aufspringen lässt. Er folgt diesem Vogel auf eine lange Reise. Unterwegs erlebt er immer wieder lehrreiches und heilsames - bis er ganz bei sich ist.
Dieses Buch kann uns vor Augen führen, wie wir es selbst in der Hand haben, glücklich zu sein. Es braucht nicht viel. Hier wird Achtsamkeit gelehrt. Ein meditatives Buch, das zur Ruhe kommen lässt und gleichzeitig Hoffnung schenkt. Ein wunderbares Geschenkbuch in unserer hektischen Zeit, wo die einfachen Freuden so leicht aus dem Blick geraten.
Vom Mann, der auszog, um den Frühling zu suchen : eine Reise zur Leichtigkeit /
von Clara Maria Bagus. - Ullstein, 2016. - 208 S. - ISBN 9783793423072

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krist

Selten so einen spannenden Krimi gelesen! Wieder so ein Buch, das man in einem Zug durchliest. Auch hier kann ich mir eine Verfilmung gut vorstellen und wünschen.

Der Autor Martin Krist, ein Pseudonym für Marcel Feige, versteht es, Spannung aufzubauen. Schon die einem Prolog ähnelnde erste Szene löst Beklemmung aus. Hier wird ein Mensch grausam gequält - oder ist es nur ein böser Traum des neunjährigen Max, den wir im nächsten Kapitel kennenlernen?  Zusammen mit seiner vierjährigen Schwester Elli wird er früh am Morgen von seiner Mutter in einer Kammer hinter der Küche versteckt. Er soll auf Elli aufpassen und zu Opa gehen. Hat er das richtig verstanden?

Auch Zoe, oder heißt sie vielleicht ganz anders, hat Schlimmes erlebt. Aber was? Unfähig, sich an irgend etwas zu erinnern, wacht sie blutüberströmt in einer schmuddeligen Straße mitten in Berlin auf. Und schon merkt sie, dass sie verfolgt und gejagt wird.

Und dann ist da noch Kommissar Paul Kalkbrenner und seine Kollegin Sera Muth, die in einem ganz anderen Fall ermitteln müssen. Sie werden zu einem Rentner gerufen, der offensichtlich an einem Herzinfarkt gestorben ist. Eigentlich kein Fall für die Mordkommission, wenn da nicht die Leichenteile in der Tiefkühltruhe wären, die ein Sanitäter auf der Suche nach Schmuck dort gefunden hat. "Kannibalismus im Wedding" - schon ist es in der Presse.

Jeder der drei Erzählstränge, die abenteuerliche Reise von Max und Elli zu ihrem Großvater, Zoes verzweifelte Jagd durch die Stadt und nach ihrer Erinnerung, und die Ermittlungsarbeit Paul Kalkbrenners, der auch privat einiges zu verkraften hat, sind für sich genommen schon interessant. In kurzen Kapiteln tauchen wir gerade eben in die jeweilige Lebenswelt der Protagonisten ein, da werden wir auch schon wieder herausgerissen und in die nächste Szene geführt.

Geschickt verwendet der Autor das Märchenmotiv, wie es im Titel schon angedeutet ist. Besonders in den Szenen um Max und Elli, die wie Hänsel und Gretel durch Berlin irren. Hier gibt es den gutmütigen Riesen und auch eine böse Hexe taucht auf. Aber auch die Hütte im Wald und nicht zuletzt der Menschenfresser erinnern an Märchen.

Wir wissen es natürlich längst. Alle Handlungsebenen treffen sich in der großen Schlussszene, alles hängt mit allem zusammen.

Grandios komponiert, wunderbar erzählt, Gänsehaut und Entsetzen garantiert.

Märchenwald. Thriller / Martin Krist. - Ullstein, 2016. - 416 S. ISBN 9783548287645 9,99€

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