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Ein Sommer in den italienischen Bergen. Ein Rückzug und die Reise zu sich selbst. Paolo Cognetti: Fontane Numero 1

Heute präsentiere ich in der Reihe Gastland Italien meine vierte Entdeckung von Übersetzungen aus dem Italienischen. Zugleich nehme ich mit diesem Artikel bei der wunderschönen Blogparade "Bella Italia" von Silvia und Astrid bei "Leckere Kekse" teil. Es ist mir eine große Freude, dabei mitmachen zu dürfen!

Beim Rotpunktverlag Zürich - in der Edition Blau - habe ich "Paolo Cognetti - Fontane Numero 1" entdeckt. Der Verlag hat es mir dankenswerterweise als Rezensionsexemplar überlassen.

Dieses Sommerbuch kommt mir gerade recht. Hier schreibt ein Autor, der sich nach einer Schaffenskrise für einen Sommer in eine relativ einsame Berghütte auf 2000 Meter irgendwo im Aostatal zurückzieht. Er hofft, wieder zu sich zu finden, mithilfe der Einsamkeit und des einsamen Lebens zum Kern, zur Quelle seiner Kreativität.

Das Thema spricht mich sehr an. Auch ich stelle es mir wunderbar vor und sehne mich geradezu
danach, für eine längere Zeit in eine Hütte in den Bergen oder am Meer zu ziehen, wo ich von den täglichen Anforderungen an mich einmal nichts mitbekomme. Ich stelle es mir paradiesisch vor, nur mit Büchern, Papier, Stiften und Malutensilien die Tage zu verbringen. Einfaches Leben, einfaches Essen, kein Internet, kein Trubel.

Cognetti ist 30 Jahre alt und erinnert sich daran, wie er mit einem Bergführer in seiner Kindheit die langen italienischen Sommerferien im Gebirge verbracht hat. Mittlerweile im quirligen und lauten Mailand zu Hause, glaubt er, die Verbindung zu dem Naturburschen, dem "ragazzo selvatico" (So der Titel im Original), der er einmal war, verloren zu haben. Er schiebt auch seine Schreibschwierigkeiten darauf.

Vor allem aber schrieb ich nicht, und das ist für mich, als würde ich nicht schlafen oder essen: Eine solche Leere hatte ich noch nicht erlebt.“

Das Büchlein hat nur 140 S., aber die haben es in sich. Alle Bibliomanen unter uns kann ich nur warnen – der Stapel der ungelesenen Bücher wird immer höher. Cognetti bezieht sich in seinem Vorhaben nicht nur auf Henry David Thoreau „Walden oder das Leben in den Wäldern“, sondern führt auch eine Reihe anderer Autoren an, die aus Weltverdrossenheit in der Natur Einsamkeit gesucht hatten.“ 

Wenn ich ein Buch finde, bei dem ich schon auf den ersten drei Seiten, fünf Sätze herausschreiben und erinnern möchte, dann habe ich ein Gefühl wie Liebe auf den ersten Blick: erhöhter Herzschlag, eine wunderbare Entdeckung, Freude. Dieses Bändchen ist so eine Entdeckung für mich.

Es beginnt im Original so:

"Qualche anno fa ho avuto un inverno difficile. Ora non mi pare importante ricordare l’origine di quel male. Avevo trent'anni e mi sentivo senza forze, sperduto e sfiduciato come quando un’impresa in cui hai creduto finisce miseramente. Un lavoro, una storia d’amore, un progetto condiviso con altre persone, un libro che ha richiesto anni di fatica. In quel momento immaginare il futuro mi sembrava un’ipotesi remota quanto quella di mettersi in viaggio quando hai la febbre, fuori piove e la macchina è in riserva sparata. Avevo dato molto, e dove stava la mia ricompensa?"

Der Übersetzung von Barbara Sauser merkt man an, dass sie viel Erfahrung mit dem Italienischen hat. Sie schafft es, die Sätze behutsam zu verknappen und damit die Aussagen aus dem immer etwas weitschweifigerem Italienischen in die adäquate, kargere deutsche Sprache zu übertragen.

"Vor ein paar Jahren erlebte ich einen schwierigen Winter. Die Gründe dafür sind jetzt nicht wichtig. Ich war dreißig und fühlte mich kraftlos, verloren und niedergeschlagen, wie wenn ein Unternehmen, an das man geglaubt hat, kläglich gescheitert ist: eine Arbeit, eine Beziehung, ein gemeinschaftliches Projekt, ein Buch, das mich Jahre der Mühe gekostet hat. Mir eine Zukunft vorzustellen, kam mir in diesem Moment ungefähr so abwegig vor wie eine Reise anzutreten, wenn man Fieber hat, es draußen regnet und dazu der Tank leer ist. ich hatte alles gegeben, wo blieb nun mein Lohn?"

Neben Zitaten aus den literarischen Vorbildern Cognettis (Thoreau, Levi, De André, Reclus, Krakauer und Stern) lernen wir auch die Gedichte der in Italien wohl recht bekannten Antonia Pozzi (1912 bis 1938) kennen. Auch hier hat Barbara Sauser es geschafft, vier davon stimmungsvoll und ohne Verluste zu übersetzen.

Cognetti bezieht im Frühjahr eine von vier verlassenen Hütten, die zusammen das Dorf Fontane gebildet hatten, als es noch bewohnt war. Anfangs ist es wirklich einsam, von Frühling wenig zu spüren, im Mai schneit es noch einmal kräftig. Er findet, was er gesucht hat. Einsamkeit, Natur, das einfache Leben mit Holzmachen, Einheizen, dem Anlegen eines Gemüsegartens und langen Spaziergängen. Später kommen die Hirten mit ihren Tieren. Mit zwei Menschen, Gabriele, dem Kuhhirten, und Remigio, seinem Vermieter, der ab und zu nach ihm schaut, freundet er sich an. Als dann auch noch die Touristen kommen, „die, fast immer in großen Gruppen unterwegs, taub und blind für die Landschaft schienen...“, die die Tiere verjagten, wird ihm auch die Hütte zu viel. Er beschließt, draußen zu leben, noch karger, noch einsamer. „Schwer beladen machte ich die Tür hinter mir zu und hatte doch das Gefühl, mich von einer Last zu befreien.“ Er kommt zu der Einsicht, dass seine Flucht nicht von der Hütte und auch nicht von den Leuten herrührt. Dass die Last vielmehr von ihm selbst ausging. „Wovor sollten wir sonst fliehen, wenn wir aus dem Haus fliehen?“

Am Ende des Sommers kommt er zurück in die Hütte, bis es auch hier Zeit wird, alles winterfest zu machen und zurück in die Stadt zu fahren. Cognetti hat in diesem Sommer zu sich gefunden, aber ganz anders, als er es sich gedacht hatte.

Meine Erkenntnis nach der Lektüre: jeder muss die Hütte in sich selbst finden! Die Kunst ist, im Alltag zu sich zu finden - das wilde Kind in sich zu befreien. Es geht nicht um die Hütte oder die Einsamkeit, sondern um die Abgrenzung gegen die tägliche Brandung an Anforderungen von außen. Ich versuche es gerade; ich bin auf einem guten Weg.

Fontane Numero 1 : ein Sommer im Gebirge / Paolo Cognetti. Aus dem Italienischen von Barbara Sauser. - 1. Aufl., 140 S. - (Edition Blau). - Zürich: Rotpunktverlag, 2017. - 9783858697400 ; geb. 18 €

Über den Autor:

Paolo Cognetti, geboren 1978 in Mailand, ist Schriftsteller und Dokumentarfilmer. Zur Autorenkreis rund um den quirligen Verlag Minimum Fax in Rom gehörend, hat er mehrere, verschiedentlich ausgezeichnete Bücher veröffentlicht. 2016 ist beim renommierten Turiner Verlag Einaudi sein Debütroman erschienen, der in rund 30 Sprachen verkauft wurde. Mit Fontane Numero 1 liegt sein erstes Buch auf Deutsch vor. Über aktuelle Lektüre und über die Berge schreibt er auf seinem Blog: paolocognetti.blogspot.com. (Verlagstext)

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1950iger Jahre - Gastarbeiter im eigenen Land - ein erschütternder Bericht über das Leben von jungen Süditalienern in Norditalien.

Gastland Italien - Folge 3 meines Projekts, die Übersetzungen aus dem Italienischen der letzten Zeit vorzustellen. Hier ein erschütterndes Beispiel, wie schrecklich es Menschen ergeht, die aus Armut ihre Heimat verlassen müssen und das ganze Leben darunter zu leiden haben. Obwohl ein Rückblick, ist dieses Buch aktueller den je. Ich wünsche ihm viele Leser und Leserinnen.

das-leben-wartet-nicht-9783257069839Süd-Italien in den fünfziger Jahren. Es herrscht bittere Armut bei den Napulí oder Terroni – wie die Mailänder die Gastarbeiter aus dem Süden nennen. Ninetto, der von einem Salzhering am Tag leben muss, wird schon im Alter von 9 Jahren mit einem Onkel von Sizilien nach Mailand zum Arbeiten geschickt. Die Verhältnisse dort sind katastrophal. In heruntergekommenen, dreckigen Mietkasernen teilen sich die Arbeiter kleine Wohnungen. Kinder wie Ninetto müssen sich mit Gelegenheits- und Schwarzarbeiten durchschlagen, da sie erst mit 15 Jahren eine offizielle Arbeit in einer Fabrik bekommen können. Sie werden vor der Zeit erwachsen – so auch Ninetto, der ein Mädchen aus Kalabrien kennenlernt. Gerade mal 15 Jahre, fahren beide zum Heiraten in Ninettos Heimatdorf in Sizilien, wo der Vater den Priester überreden kann, die Trauung vorzunehmen. Zurück in Mailand findet Ninetto Arbeit bei Alfaromeo. Sie bekommen ein Kind. Alles läuft so dahin, die schwere Arbeit in der Fabrik, das einfache Leben als kleine Familie in Mailand. Ninetto hätte gerne mehr gelernt, die ersten Schuljahre in Sizilien gefielen ihm, der dortige Lehrer war ihm ein Vorbild. Er wäre gerne Schriftsteller geworden. Stattdessen muss er in der Fabrik schuften.

„Manche werden als Hauptstraße geboren, manche als Sackgasse. Das Gesetz, das bestimmt, wer ein armer Teufel ist und wer nicht, gilt ja für das ganze Universum, nicht nur für die Menschen.“ (S. 278)

Als er eines Tages seine halbwüchsige Tochter im dunklen Keller mit einem jungen Mann erwischt, sieht er rot und greift zum Messer. Er verletzt seinen künftigen Schwiegersohn so schwer, dass dieser sich von den Verletzungen nie wieder ganz erholt. Ninetto geht für diese Tat fast 30 Jahre ins Gefängnis. Er weiß nichts mehr mit sich anzufangen und stellt fest: das Leben wartet nicht.

„Und das Leben geht unterdessen weiter, es wartet nicht auf dich,...“ (S. 215) „...das Leben drängte sie weiter. Weiter, immer weiter, während es mich kurz hielt wie einen Hund an der Kette.“ (S. 243)

Balzano schreibt im Nachwort, dass er viele Arbeiter aus dem Süden Italiens interviewt hat, die jetzt um die 70 sind und viel zu früh erwachsen werden mussten. Seine Geschichte um Ninetto steht exemplarisch für die vielen Lebensläufe, die ihm erzählt wurden. Heute, über fünfzig Jahre später, leben in denselben Wohnblöcken Mailands die Neuankömmlinge aus China und Nordafrika. Sie haben dieselben Träume wie die Süditaliener damals.

Das Leben wartet nicht. Roman / Marco Balzano. Aus dem Italienischen von Maja Pflug. - Zürich: Diogenes, 2017. - 304 S. -  ISBN 978-3-257-06983-9 ; 22 €

Über den Autor:

Marco Balzano, geboren 1978 in Mailand, ist der Sohn von Süditalienern, die ihr Glück im Norden suchten. Er schreibt, seit er denken kann: Gedichte und Essays, Erzählungen und Romane. Neben dem Schreiben arbeitet er als Lehrer für Literatur an einem Mailänder Gymnasium. ›Das Leben wartet nicht‹ ist sein bisher erfolgreichster Roman. Er lebt mit seiner Familie in Mailand. (Verlagstext)

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Im Fass über die Niagara-Fälle - eine Posse mit historischem Hintergrund

Gastland Italien - Folge 2

Mit Alessandro Bariccos Posse über einen Sturz mit dem Fass über die Wasserfälle des Niagara River gibt es heute eine weitere Übersetzung aus dem Italienischen. Ein kurzer, erfrischender Spaß mit historischem Hintergrund - ein ideales Sommerbüchlein.

Tom und Jerry – Smith und Wesson – ha – hier merkt man gleich zu Anfang, dass sich Baricco einen Spaß machen will – und mal ganz was anderes. Eine kleine Komödie in Dialogform – ein kleines Theaterstück mit Regieanweisungen und musikalischen Vortragsangaben.
Das Büchlein ist kurz, was auch daran liegt, dass es außer den genannten Dialogen und spärlichen Regieanweisungen keinen weiteren Text gibt. Die ganze Szenerie und die Tragik der Handlung entstehen in atemberaubendem Kopfkino. Sogleich möchte man in verteilten Rollen laut vorlesen.

Da das Buch nur so kurz ist, darf ich nicht viel verraten. Es beginnt jedenfalls so: Smith lernt Wesson im Hotel Great Falls bei den Niagarafällen kennen. Smith ist Metereologe und schwört auf Statistiken, Wesson ist Fischer – er fischt - wie schon sein Vater - die Leichen der Lebensmüden aus dem Fluss. Hinzu kommt die junge Journalistin Rachel, die frustriert ist, weil sie als 23jährige keine aufregenden Reportagen bekommt. Sie will selbst zur Sensation werden und darüber berichten. Die beiden kauzigen Typen sollen ihr dabei helfen. Ihre Idee: sie will sich in die Fluten stürzen und lebend wieder auftauchen. Nun wird gerechnet, konstruiert und Werbung gemacht. Im Hintergrund Mrs. Higgins, die Eignerin des Hotels, die selbst nicht auftritt, aber als Bindeglied für alle und alles fungiert.

Zum ernsten Hintergrund der spaßigen Geschichte gibt es hier einen schönen Link: Sturz von den Niagarafällen "Entweder du packst es oder du stirbst"

Smith & Wesson / Alessandro Baricco. Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki. - Hamburg: Hoffmann und Campe, 2016. - 1. Aufl. - 110 S. - ISBN 9783455405774 - 18 €

Über den Autor:

Alessandro Baricco, 1958 in Turin geboren, studierte Philosophie und Musikwissenschaft. Er ist Mitherausgeber verschiedener Literaturzeitschriften und von La Repubblica. Neben seinen Romanen hat Baricco zahlreiche Essays, Erzählungen und Theaterstücke verfasst, sein Roman Seide wurde zum internationalen Bestseller. Baricco wurde mit dem Premio Campiello, dem Premio Viareggio und dem Prix Médicis Étranger ausgezeichnet. Zuletzt erschien Smith & Wesson (2016). (Verlagstext)

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In diesem Sommer wird Italien mein Gastland, Ich habe mir die Aufgabe gestellt, nach Übersetzungen aus dem Italienischen Ausschau zu halten. Da gibt es einiges zu entdecken. Heute starte ich mit "Bella mia" von Donatella di Pietrantonio.

Nein, ich habe mich nicht vertan - weder Litauen in Leipzig, noch Frankreich in Frankfurt habe ich vergessen. Beides Gastländer auf unseren Buchmessen im Jahr 2017.

In diesem Sommer wird Italien mein Gastland, zumindest auf diesem Blog. Angeregt durch die Blogtour nach Italien von  leckerekekse  habe ich mir selbst die Aufgabe gestellt, nach Übersetzungen aus dem Italienischen Ausschau zu halten. Da gibt es einiges zu entdecken.

Heute starte ich mit "Bella mia" von Donatella di Pietrantonio. Das Buch ist im Februar 2016 auf deutsch erschienen. Im italienischen Original hat es ebenfalls den Titel "Bella mia", was sich auf die 2009 von einem Erdbeben zerstörte Stadt Aquila bezieht. Es wurde von Maja Pflug ins Deutsche übersetzt.

Ein Erdbeben – innen und außen. Die Risse einer kleinen Familie werden erst so richtig deutlich, als ein echtes Erdbeben ein Todesopfer fordert und den Lebensraum zerstört. Entgegen der Annahme, das Buch handele vor allem vom verheerenden Erdbeben in Aquila 2009, erleben wir hier das schwierige Zusammenleben einer kleinen familiären Gemeinschaft von Mutter, Tochter und Enkelsohn in der Pubertät.

"Wir sitzen um diesen neuen Tisch, der keinem von uns gehört. Vorher hatte jeder seinen eigenen, die verwitwete Großmutter in ihrem Haus im Dorf, ich in meiner Wohnung im Stadtzentrum und er mit seiner Mutter ganz in der Nähe; als es passierte, wohnten die beiden seit eineinhalb Jahren wieder hier. Jetzt leben wir drei allein zusammen, in dieser uns zugewiesenen Wohnung. Er ist mein Neffe, für meine Mutter der Enkel."

Wie lebt man weiter, wenn die Zwillingsschwester stirbt? Kann die Tante die Mutter ersetzen - sie, die nie Familie und Kinder wollte? Was setzt man einem verwaisten Teenager entgegen, der sich fragt, ob nicht besser die Tante anstelle der Mutter umgekommen wäre. Wie verhält man sich als Oma und Mutter in dieser aus der Not geborenen Zwangsgemeinschaft? Feinfühlig skizziert und gut beobachtet von Donatella di Pietrantonio. Lesenswert

Bella mia : Roman / Donatella Di Pietrantonio. Aus dem Italienischen von Maja Pflug. - München: Kunstmann, 2016. - 220 S. - ISBN 9783956140914 

Weitere Titel in der Reihe "Gastland Italien" - demnächst auf diesem Blog

Smith & Wesson / Alessandro Baricco

Das Leben wartet nicht / Marco Balzano

Fontane Numero 1 / Paolo Cognetti

Verfahren eingestellt / Claudio Magris

Giacinta / Luigi Capuana

Die junge Braut / Alessandro Baricco

Latein lebt / Nicola Gardini

Acht Berge / Paolo Cognetti

Das Fell des Bären / Marco Righetto

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Zero Waste - versuchen wir es! Fangen wir mit Plastik an: es landet in der Natur, im Meer, im Boden und letztlich in unserer Nahrung.

Ihr kennt das: eigentlich weiß man etwas schon lange, aber dann gibt es einen letzten Impuls und los geht’s.

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Wir verbrauchen zu viel Plastik und überhaupt verschwenden wir unnötig viele Ressourcen, die fast ungenutzt auf dem Müll landen. Schlimmer noch - in der Natur, im Meer, im Boden und letztlich in unserer Nahrung, egal ob pflanzlich oder tierisch.

Wir haben die Bilder von den Plastikinseln im Meer alle schon mal gesehen. Wir wissen, dass Plastik Jahrtausende braucht, um zu verrotten. Aber dann vergessen wir es wieder. Beruhigen uns damit, dass unser Plastik ja im Recyclinghof landet und wiederverwertet wird. Unsere deutsche Umverpackung für den leckeren Käse wird doch wohl nicht im Meer landen. Oder doch?

Unbehagen machte sich bei mir schon länger breit, angesichts der vielen Plastikverpackungen, die bei uns im Haushalt so anfallen. Vor allem im Kühlschrank hatte ich es ständig vor Augen. Aber auch im Bad geht es nicht ohne Plastiktuben für Shampoo, Zahnpasta, Cremes. Genauso bei der Reinigung des Haushalts - alles kommt in praktischen Plastikflaschen daher.

Und dann war da die Litblog Convention in Köln 2017. das ist ein Treffen für Literaturblogger, zu denen ich mich seit einiger Zeit rechne. Da geht es vor allem um Bücher und ums Bloggen. Aber - und das ist ja das Tolle an Büchern - sie handeln alle von einem bestimmten Thema, in ihnen steckt die ganze Welt.

Cover-Glimbovski-Ohne-Wenn-und-Abfall-188x300Und hier ging es um das Buch von Milena Glimbowski: Ohne Wenn und Abfall, dass erst im Oktober 2017 erscheinen wird. Wir sitzen interessiert im sogenannten Panel mit der 27jährigen Milena, die mit 22 den ersten "original unverpackt"-Laden in Berlin eröffnet hat. Wir mit unseren Einweg-Plastikflaschen. Sie und ihr Lektor natürlich mit einer wiederbefüllbaren Glasflasche. Irgendwie schon komisch.

Sie hat also nicht nur recherchiert und ein Buch geschrieben, sondern weiß wovon sie spricht. Sie wollte etwas tun und hat es umgesetzt. Schritt für Schritt hat sie ausprobiert, ob es auch ohne so viel Müll geht. Sie lebt es vor und sie ermöglicht es anderen, indem sie Waren aller Art unverpackt verkauft. Hier der Link zum Shop. Ihre einfache Message an diesem Nachmittag: einfach anfangen!

Danach arbeitete es in mir. Das Unbehagen (s.o.) stieg. Und dann erinnerte ich mich, dass wir ein ähnliches Geschäft ganz in meiner Nähe haben. Freikost Deinet. Der ist zwar noch nicht komplett mit unverpacktem ausgerüstet, aber es ist immerhin eine große Hilfe in meinem Vorhaben, jetzt endlich ernst mit "zero waste" zu machen.

Ich bin jetzt gerade in der Phase "zum letzten Mal". Jetzt wird alles aufgebraucht, was da ist - schließlich nützt es nichts, halbvolle Plastikflaschen oder die Putschwämme wegzuschmeißen. Manche Behälter behalte ich für den weiteren Gebrauch.

Im Kühlschrank zeigt sich die Veränderung am schnellsten. Milch, Quark, Joghurt gibt es in Mehrweggläsern. Den Schnittkäse bekomme ich bei Freikost direkt in meine mitgebrachte Dose, Wurst kaufe ich neuerdings an der Fleischtheke. Da wird zwar auch noch Plastik drumgewickelt, ist aber nicht ganz so viel. Da werde ich mir bald mal einen Metzger suchen, der mir die Sachen in meine Dosen packt.

Losen, frisch gemahlen Kaffee bekomme ich auch bei Freikost, direkt in eine Papiertüte, die ich schon mehrfach befüllen lassen konnte. Freikost hat auch Obst und Gemüse, Nüsse aller Art, Getreide und Nudeln lose.

Tja, und dann gibt es das Internet. Ich stelle fest, hier tut sich schon lange was. Es gibt eine weltweite Bewegung der Leute, die es mit "zero waste" schon lange versuchen und viele gute Tipps auf Lager haben.

Hier ein paar Links:

Zero Waste Lifestyle

Einfach Zero Waste leben!

Zero Waste International Alliance

Utopia

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Es gibt natürlich schon eine ganze Reihe Bücher, die bei der Umstellung auf ein plastikfreies Leben helfen können. Ich werde mir als nächstes einmal "Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie" anschauen. Und dann geht es den vielen Putzmitteln an den Kragen!

Macht Ihr mit? Aller Anfang ist schwer - aber ich glaube, es lohnt sich für uns alle.

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