Springe zum Inhalt

3

Familie Wagner auf Sizilien.

IMG_20180130_102225.v01Constanze Neumann schreibt in Ihrem Buch „Der Himmel über Palermo“ intensiv von der Ballsaison im Jahre 1882 und einer sich daraus entwickelnden, aus heutiger Sicht gesehen, unmöglichen Liebe und Ehe am Ende des 19. Jahrhunderts.

Blandine von Bülow ist die Tochter von Cosima Wagner aus erster Ehe mit Hans von Bülow. Die Wagners sind mit Blandine und den ehelichen Kindern Isolde, Eva und Siegfried von 1881 bis 1882 in Palermo, wo Richard Wagner sich von allerlei Querelen familiärer und künstlerischer Art zurückziehen konnte, um zusammen mit Joseph Rubinstein den „Parzival“ zu beenden. Sie sind im Hotel des Palmes abgestiegen. Blandines ältere Schwester Daniela kommt später nach.

Die Geschichte einer unglücklichen Liebe, die 1881 beginnt und 1897 endet, fasst Constanze Neumann in eine Klammer. Das erste und letzte Kapitel spiegelt die Gedanken der vom Leben enttäuschten Blandine während der Abreise von Palermo. „Sechzehn Jahre nur, die ihr wie ein Menschenalter, eine Ewigkeit vorkommen.“

„Ende November 1897 verlässt Blandine Gräfin Gravina, geborene von Bülow, mit ihren drei jüngeren Kindern Maria, Gilberto und Guido Sizilien.“

Ihr Mann, Graf Biago Gravina, Zweitgeborener einer der ältesten Adelsfamilien Sizilien, ist gerade gestorben.

Wie alles begann: 1881 – Palermo scheint zwischen Allerheiligen und Karneval ein einziges morbides, frivoles Fest zu sein. Die 19jährige Blandine erlebt als Debütantin ihre Einführung in die adlige Welt Siziliens. Wir bekommen allerlei Aufregung um mögliche Kostüme und Verkleidungen während der Karnevalsaison mit. Am Rande erleben wir die Geschichten und Beziehungen einiger anderer Adliger. Auch die Gassen der Altstadt und das Gefälle zwischen Arm und Reich kommen ins Bild. Man bemüht sich um Blandines Freundschaft, um zu Wagner zum Vorsingen vorgelassen zu werden. Die Familie muss im Februar 1882 in eine andere Villa umziehen, weil Wagner im Hotel stört. Schließlich spielt er ohne Rücksicht auf andere Gäste zu allen Tages- und Nachtzeiten Klavier. Das neue Domizil liegt weit vom Stadtzentrum Palermos entfernt und ist schlecht heizbar und daher feucht. Die Kinder, besonders Siegfried, von allen Fidi genannt, erkranken schwer. Alle leiden unter dem ungemütlichen Haus.

Es kommt, wie es kommen soll. Die unerfahrene Blandine lernt gleich auf dem ersten Ball den schneidigen Graf Biagio Gravina kennen. Auf weiteren Bällen bemüht er sich um Plätze auf Blandines Tanzkarte. Weiter Gelegenheiten, sich wirklich und ungestört kennen zu lernen, finden die jungen Leute nicht,  Biagio schreibt heimlich Briefe, die jedoch von Blandine mangels Gelegenheit nicht erwidert werden können. Wie es scheint, hält Graf Gravina um ihre Hand an, um endlich auf legalem Weg Zugang zu Blandine zu erhalten. Richard Wagner und seine Frau Cosima sind erleichtert. „Mein liebes Kind, dein Papa macht sich viele Gedanken um dich und deine Zukunft. Er hat alles über den Grafen in Erfahrung gebracht, was er konnte, und er glaubt, dass ihr eine glückliche Ehe führen könnt.“ Damit ist es entschieden. Später muss Blandine mit anhören, wie Wagner zu Cosima über die Schwestern sagt: „Ein Krampf der Existenz. Es wäre besser, sie wären nie geboren.“

Graf Biagio Gravina ist nur der zweite, und daher nicht erbberechtigte Sohn, hat aber eine gute Stelle beim Militär. Blandine erhält eine sehr großzügige Mitgift. Dem Glück stünde nichts im Wege. Allerdings verliert Graf Gravina zeitgleich mit der Hochzeit seine Stellung beim Militär. Es wird ihm nicht mehr gelingen, eine andere Arbeit zu finden. Die völlige finanzielle Abhängigkeit von seiner Frau Blandine verhindern es, dass aus den sich durchaus liebevoll zugetanen jungen Leuten ein sich liebendes Ehepaar werden kann. Anstatt in Palermo zu leben, besteht Gravina darauf, auf dem Gut der Familie in Ramacca am Fuße des Etnas zu leben. Dort wird Blandine nicht heimisch und geht mit den Kindern zurück in die Stadtvilla nach Palermo. Graf Gravina verfällt immer mehr in Trübsinn und nimmt sich 1897 das Leben.

„Der Himmel über Palermo“ ist leichte Lektüre für Liebhaber*innen historischer Erzählungen mit südlichem Flair. Ich finde es etwas schade, dass über die Hintergründe der Wagners wenig im Roman vorkommt. Ich musste mir vieles aus anderen Werken zusammensuchen, um die Zusammenhänge besser zu verstehen. Hier kann ich exemplarisch die Biographie Cosima Wagners von Oliver Hilmes nennen. „Herrin des Hügels“, Siedler 2007. Diese erschien mir spannender als der neue Roman von Constanze Neumann.

............

Der Himmel über Palermo : Blandine von Bülows große Liebe. Roman / Constanze Neumann. - 2. Aufl., 222 S. - München: Goldmann, 2017. - ISBN 9783442314409, fest. geb. : 18 € 

Zu den noch immer lebendigen Allerheiligenbräuchen Siziliens, die im ersten Kapitel des Romans wirklich schauderhaft erzählt werden, empfehle ich den folgenden Blogartikel:  http://hallosizilien.de/ognissanti-allerheiligen/

Das Grand Hotel et des Palmes gibt es auch noch. Bei meinem nächsten Besuch in Palermo werde ich es in Betracht ziehen.

Der glückliche Löwe : Mein Klassiker

einst

Zur schönen Serie #MeinKlassiker kann ich heute mal ein Bild beitragen. Meine Tochter Katharina hat sich sehr bemüht, mich heute meinem früheren Ich so weit es geht anzugleichen.

Buchvorstellungen lagen mir also schon immer. Mein heißgeliebter Klassiker ist "Der glückliche Löwe" von Louise Fatio (Autor) und Roger Duvoisin (Illustrator). Es ist das erste Buch, das überhaupt den Deutschen Jugendliteraturpreis bekommen hat. Das war 1956. Zehn Jahre später wurde es mir geschenkt. Und wieder 52 Jahre später ist es immer noch in meinem Besitz - nur ganz leicht lädiert.

IMG_20180129_192915

Und es ist natürlich immer noch zu kaufen, bei Herder.

1

Als bloggende Bibliothekarin bleibt im Januar wenig Zeit für "just-for-fun"-Beschäftigungen. Kollegen, die so wie ich mit der Statistik beschäftigt sind - ich sage nur DBS, Kassenprüfung, Jahresbericht - wissen, warum da nicht viel substanzielles kommen kann. Für Nicht-Kollegen: stellt euch die Steuererklärung vor, die unbedingt zum 31. Januar fertig sein muss, aber frühestens am 1. Januar begonnen werden kann. 😉

Natürlich lese ich trotzdem. In den letzten vier Wochen habe ich genossen:

"Das Lächeln meines Vater" von David Kapitelman

Armin Jetter, Lektor beim Borromäusverein, urteilt über das Buch: "Dieses Buch ist eine ausgezeichnete, leicht lesbare Urlaubslektüre mit durchaus ernstem Hintergrund, immer wieder überraschend realistisch in der Handlung und einfach sehr gut geschrieben. Ein Buch, das man sich gerne in einer Bücherei ausleiht!"

"Der Märchenerzähler" von Antonia Michaelis

Ein Jugendbuch, das in teilweiser sehr poetischer Sprache eine realistische Jugendwelt beschreibt, in der es um Schule, Liebe, Mobbing, Drogen, Sex und Morde geht. Und dazu ein handfester Thriller, der auch Erwachsenen das Blut in den Adern gefrieren lassen kann. Leseempfehlung!

"Herz auf Eis" von Isabelle Autissier

Die war eins der fünf Lieblingsbücher der unabhängigen Buchhandlungen im Jahr 2017. Ich habe die ersten Sätze davon im Lesezelt der Frankfurter Buchmesse hören dürfen. Gelesen von Christian Brückner... 😉 Es ist wirklich ein tolles Buch. Zu recht viel besprochen und hochgelobt. Unbedingt lesen!!

"Der Trinker" von Jakob Hinrichs

Eine kraftvolle graphic novel über das Leben Hans Falladas und sein Buch "Der Trinker" . NDR Kultur urteilt:

»Rauschhafte Visionen kann Jakob Hinrichs zeichnen wie kein zweiter. Er hat aus seiner Graphic Novel ein wahres Kunstbuch gemacht. Viele der Bilder, die da in kleinen Comic-Kästchen erscheinen, könnte man groß in Galerien an die Wand hängen.« 

"Sieben Nächte" von Simon Strauss

Das Buch hat mich persönlich nicht so gepackt. Das hätte auch ein längerer Blogartikel eines fast Dreißigjährigen mit Angst vor dem Erwachsenwerden sein können. Die Todsünden waren viel zu harmlos. Viele gute Sätze, die anregen, sich mit dem Sinn des Lebens auseinander zu setzen.

Und als nächstes werde ich für meine Musik-, Biographie-, Italien-Fans das Buch

"Der Himmel über Palermo" von Constanze Neumann besprechen.

Sobald ich Zeit finde. Siehe oben.