Manchmal ist es einfach der Zufall, der ein Buch in meine Leseliste spült. Der kleine Verlag „Kuuuk mit 3U“ aus Königswinter bei Bonn ist einer der vielen unabhängigen Verlage. Der Zufall muss sehr groß sein, um diesen zu finden. Leider hat er auch eine der schlechtesten Homepages, die ich je gesehen habe. Und doch und gerade dort bin ich auf ein sehr spannendes Buch gestoßen. Es heißt „Der Eklat“ und wurde vom Bonner Autor Dennis Kornblum geschrieben. Zu Beginn der Lektüre tat ich mich erst einmal sehr schwer mit den wohlgeformten, fast schon gedrechselten langen Schachtelsätzen. Doch dann wurde ich förmlich hineingezogen. Ich vergaß, dass ich nur einen Text las.…
Hool / von Philipp Winkler
(überarbeitete Fassung vom 15.11.16) Ich habe den Roman „Hool“ von Philipp Winkler gelesen. Mir fehlen jedoch irgendwie die Bewertungskriterien für ein solches Werk, welches sich in den Kanon der von mir gelesenen Bücher schlecht einordnen lässt. Auf der einen Seite bin ich davon fasziniert – ein Roman, welcher bestimmt nicht so leicht in Vergessenheit gerät, weil er die Hooligan-Szene beschreibt, die uns normalerweise hermetisch verschlossen bleibt. Er hat es zu recht auf die Shortlist zum deutschen Buchpreis 2016 geschafft. Auf der anderen Seite ist es natürlich keine schöne Lektüre, die ich anderen Menschen gerne empfehlen würde. Ich denke da an meine Bücherei, in der vor allem nach Lesegenuss gesucht wird. Während des…
Die Witwen / von Dagmar Leupold
Ein Abenteuerroman? Nun ja, wenn das Leben ein Abenteuer ist – und für manche kann ja eine Autofahrt schon zum Abenteuer werden. Vier Frauen und ein Mann fahren mit dem Auto „Ulysse“ an der Mosel entlang bis zu deren Quelle. Keine ist Witwe, wie es der Titel vermuten lassen könnte, aber alle sind irgendwie übrig geblieben, zurückgelassen worden oder noch gar nicht wirklich angekommen. Ihre Namen Beatrice, Penelope, Laura und Dorothea. Er heißt Bendix, Kurzform für Benedikt (der Gesegnete). Ich war versucht, die symbolträchtigen Namen, denen ich mühelos einen fehlenden Partner zuordnen könnte, irgendwie mit der Geschichte zu verknüpfen, aber da bin ich gescheitert. Kein Dante, kein Petrarca, der hier wirklich…
Widerfahrnis / von Bodo Kirchhoff
Einmal Sizilien hin und zurück – „a sentimental journey“ Reither, bis vor kurzem Verleger in einer Großstadt, nun in einem idyllischen Tal am Alpenrand, hat in der dortigen Bibliothek ein Buch ohne Titel entdeckt, auf dem Umschlag nur der Name der Autorin, und als ihn das noch beschäftigt, klingelt es abends bei ihm. Und bereits in derselben Nacht beginnt sein Widerfahrnis und führt ihn binnen drei Tagen bis nach Sizilien. [Klappentext] Der gealterte, vereinsamte Verleger hat sich zurückgezogen. Er lebt in einem Wohnkomplex in idyllischer Natur, inklusive Rezeption und Restaurant. Das hört sich sehr nach betreutem Wohnen und Resignation an. Die Novelle, wie der Verlag als Genrebezeichnung angibt, setzt an,…
Drehtür / von Katja Lange-Müller
„Zweiundzwanzig Zigaretten und was ich noch zu sagen hätte.“ So hätte das Buch von Katja Lange-Müller auch heißen können. Asta Arnold steht im Münchener Flughafen beim Standascher hinter einer Drehtür. Nach einem langen Flug aus Nicaragua kommend, wartet sie auf ihren Koffer, der wohl woanders gelandet ist. Die gealterte Krankenschwester, die lange Jahre in Nicaragua gearbeitet hat, wurde zuletzt von ihren Kollegen gemobbt und mit einem One-Way-Ticket nach Deutschland zurückgeschickt. Da steht sie nun, auch metaphorisch an einer Drehtür ihres Lebens. Will sie wirklich nach Deutschland und als arme Rentnerin leben? Oder könnte sie zurück nach Nicaragua, wo sie sich auskennt und für die Armen noch lange nützlich wäre? Diese Gedanken…