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Anna - eine dystopische Welt, in der die Kinder überleben müssen. Berührend und bedrückend.

"Herr der Fliegen" auf Sizilien

Niccolo Ammaniti: Anna - Eisele 2018
Niccolo Ammaniti: Anna - Eisele 2018

Ich bin Ammaniti-Fan, das will ich mal vorausschicken. Seit ich "Non ho Paura" (Deutsch unter den Titeln "Die Herren des Hügels" und "Ich habe keine Angst") sowohl gelesen als auch als Film gesehen habe, konnte ich mich keinem der nachfolgenden Titel Ammanitis entziehen. 

Es ist immer eine ziemlich rohe Welt in einem einfachen Milieu am Rande der Städte - da wo Italien-Touristen eher selten hinschauen. Die Protagonisten sind ganz oft "Verlierertypen" , solche, die immer glauben, es wird noch einmal besser und sich dabei immer mehr in Schwierigkeiten bringen. Oft sind es Kinder und Jugendliche, die den eigentlichen "wahren" Blick aufs Geschehen haben, während die Erwachsenen nichts kapieren. Mit "Anna", das im Original schon im Jahr 2015 erschienen ist, lässt Ammaniti die Erwachsenen gleich ganz weg.

...weiterlesen "Anna / Niccolò Ammaniti"

Neapel ins Herz geschaut - wie Geister und Ahnen die Familiengeschichte bestimmen. Ein berauschendes Bild einer Stadt.

In den Traumwelten Neapels

Seit gestern (23.7.) auch auf Deutsch erhältlich ist der Roman aus dem alten Herzen Neapels von Wanda Marasco. Wer sich mit dem besonderen Wesen der Neapolitaner und ihrer Lebenswelten näher beschäftigen möchte, kommt um diesen Roman nicht herum.

Hier kann man in die engen Gassen unter dem so genannten "kleinen Posillipo" am Hang von Capodimonte eintauchen und die Traumwelten, den Aberglauben und die Seelen der Verstorbenen kennenlernen, die für die Einheimischen, wie mir scheint, immer noch ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens sind. 

Im urtümlichen Neapel gibt es fast keine Grenze zwischen den Lebenden und den Toten. Die Ahnen scheinen immer noch zu bestimmen, wo es lang geht.

...weiterlesen "Am Hügel von Capodimonte / Wanda Marasco"

Meine Empfehlungen für neue Romane aus dem Italienischen.

Neuerscheinungen mit dem Schwerpunkt Italien

Trotz Urlaub und schönstem Wetter, das mich ständig davon abhält, am Computer zu sitzen und Rezensionen zu schreiben, werde ich heute einen Einblick in meine Sommerlektüre geben. Dies allerdings nur in soweit, als es sich um Bücher aus und über Italien handelt. Was ich sonst noch so "nebenbei" lese steht auf einem anderen Blatt und ist viel mehr, als ich es hier besprechen könnte. 

...weiterlesen "Vorschau auf die Sommerlektüre"

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Erri de Luca erzählt von Gott und der Welt. Pars pro toto. Die Natur des Glaubens wie durch die Lupe über ein kleines Detail betrachtet.

Von Gott und der Welt - von den kleinen und den großen Dingen

„Es braucht gewaltige Vorkommnisse, um dem Antlitz der Welt eine Erinnerung einzukerben. Der Anspruch, ein Zeichen zu hinterlassen, steht uns nicht zu.“ 

S.184

Wer Erri de Lucas Stil kennt – die kurzen Sätze, die fast ohne Nebensätze auskommen – wird sich gleich wieder zu Hause fühlen, die anderen werden sich im Lese- und Atemtempo nach und nach dem Rhythmus der Wörter hingeben und das Buch als kleine, kontemplative Auszeit nutzen. Sollten Sie sich nicht darauf einlassen können, ist Ihnen der Text wahrscheinlich zu flach, zu langsam… Aber ich kann Ihnen versichern, es liegt an Ihnen!

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Erri de Luca "Den Himmel finden" // "La Natura Esposta"
Erri de Luca "Den Himmel finden" // "La Natura Esposta"

Am liebsten würde ich Ihnen schnell den ganzen Plot erzählen, aber damit wäre das Kunstwerk zerstört. Nur soviel – ein alter Bergmann (… hier oben ist man mit 60 alt...) lebt in einem abgeschlossenen Tal an der Grenze zwischen Italien und Österreich. Dorthin verschlägt es Reisende (so nennt er Flüchtlinge), denen er gegen ein Entgelt über die grüne Grenze hilft. Er arbeitet zusammen mit zwei anderen Bergführern, die er schon aus Kindertagen kennt. Als herauskommt, dass er seinen Kunden am Ende der Passage das Geld zurückgibt, wird er aus ihrer Gemeinschaft ausgestoßen und muss das Dorf verlassen.

...weiterlesen "Den Himmel finden – La Natura Esposta / von Erri de Luca"

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Ein weltoffenes Venedig zur Zeit der Reformation trotzt dem Vatikan

Zwischen Reformation und Inquisition

Text von Cristina Gregorin; Fotografien von Norbert Heyl

Ketzerisches Venedig / Gregorin; Heyl. Claudius-Verlag
Ketzerisches Venedig / Gregorin; Heyl. Claudius-Verlag

Heute stelle ich im Rahmen meiner Reihe Gastland Italien ein Sachbuch vor. 

Schon die Aufmachung ist gelungen - wieder einmal ein Beispiel dafür, dass analoge Bücher aus Papier dann eine Chance haben, wenn sie auch optisch und haptisch gut gemacht sind. Umschlag und Einband zeigen dasselbe schöne Foto von einem venezianischen Palazzo im Morgen- oder Abendsonnenschein. Das Papier ist durchgehend festes Kunstdruckpapier. Ganzseitige Fotos wechseln ab mit Text in einer augenfreundlichen Schrift. Zusätzlich zu den stimmungsvollen Fotos der Lagunenstadt gibt es historische Fotos und alte Karten, auf der die Position der erwähnten Lokalitäten verzeichnet sind. Eine große Übersichtskarte des modernen Venedigs zu Beginn des Buches ist ein weiteres Plus. Man bekommt sofort Lust, die nächste Reise nach Venedig zu planen - auf den Spuren der Reformation und der Inquisition.

Die Literaturwissenschaftlerin und Kunstführerin Cristina Gregorin und der Fotograf und Designer Norbert Heyl haben sich für uns auf den Weg gemacht, um diesen Spuren nachzugehen. In zahlreichen, nicht zu langen Kapiteln folgen wir ihnen durch die spannende und unerwartete Geschichte des katholischen Venedigs und der Reformation vom 16. Jahrhundert bis heute.

Die alte Handelsmetropole in Südeuropa war weltoffen und erlaubte sich eine geistige Freiheit und Unabhängigkeit vom Vatikan. Hier konnten die Schriften Luthers übersetzt, gedruckt und verbreitet werden, hier fanden "Abtrünnige" vor der Verfolgung Roms Zuflucht und Unterschlupf. Die Reaktion des Vatikans war die Einrichtung eines Tribunals für Glaubenslehren in Rom - eine Reorganisation der heiligen Inquisition. Eine spannende Entwicklung in der "Serenissima", wie Venedig auch genannt wird, zeigte sich auf allen Gebieten, die im weitesten Sinne den Handel betrafen.

Wir dürfen den beiden kompetenten Führern leichtfüßig durch die Stadt folgen und lernen nebenbei etwas über die Reformation, ihre Anhänger in ganz Europa und ihre Ausbreitung bis in die heutige Zeit. Wir erfahren viel über die neuen Techniken des Buchdrucks und die Beeinflussungsversuche durch Kunst und Architektur.

Schade, dass die Fußnoten erst im Anhang aufgeführt werden. Dort nachzuschlagen macht mir während der Lektüre zu viel Mühe. Brauchbar finde ich allerdings die Begriffserläuterungen und die ausführliche Chronologie, die sich mitsamt einer umfassenden Bibliografie ebenfalls im Anhang befinden.

Venedig: eine Auswahl @e_mager

Selten habe ich "trockene" Geschichte so unterhaltend und mit Genuss gelesen. Und selbst wenn wir nicht mit diesem Buch schnellstens nach Venedig reisen, wird es doch eine ganze Weile auf dem Wohnzimmertisch liegen und immer wieder in die Hand genommen. Hier liegt es in guter Gesellschaft mit Cees Nooteboom "Venedig - Fluide Stadt" und "Laguna. Venedigs Inselwelten" von János Kalmár und Alfred Komarek 

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Ketzerisches Venedig : zwischen Reformation und Inquisition / Text von Christina Gregorin, Fotografien von Norbert Heyl. - 128 S. ; zahlr., meist farb. Fotos und Karten. - Claudius: München, 2018. - ISBN 978-3-532-62815-7