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Erri de Luca erzählt von Gott und der Welt. Pars pro toto. Die Natur des Glaubens wie durch die Lupe über ein kleines Detail betrachtet.

Von Gott und der Welt - von den kleinen und den großen Dingen

„Es braucht gewaltige Vorkommnisse, um dem Antlitz der Welt eine Erinnerung einzukerben. Der Anspruch, ein Zeichen zu hinterlassen, steht uns nicht zu.“ 

S.184

Wer Erri de Lucas Stil kennt – die kurzen Sätze, die fast ohne Nebensätze auskommen – wird sich gleich wieder zu Hause fühlen, die anderen werden sich im Lese- und Atemtempo nach und nach dem Rhythmus der Wörter hingeben und das Buch als kleine, kontemplative Auszeit nutzen. Sollten Sie sich nicht darauf einlassen können, ist Ihnen der Text wahrscheinlich zu flach, zu langsam… Aber ich kann Ihnen versichern, es liegt an Ihnen!

Zum Inhalt

Erri de Luca "Den Himmel finden" // "La Natura Esposta"
Erri de Luca "Den Himmel finden" // "La Natura Esposta"

Am liebsten würde ich Ihnen schnell den ganzen Plot erzählen, aber damit wäre das Kunstwerk zerstört. Nur soviel – ein alter Bergmann (… hier oben ist man mit 60 alt...) lebt in einem abgeschlossenen Tal an der Grenze zwischen Italien und Österreich. Dorthin verschlägt es Reisende (so nennt er Flüchtlinge), denen er gegen ein Entgelt über die grüne Grenze hilft. Er arbeitet zusammen mit zwei anderen Bergführern, die er schon aus Kindertagen kennt. Als herauskommt, dass er seinen Kunden am Ende der Passage das Geld zurückgibt, wird er aus ihrer Gemeinschaft ausgestoßen und muss das Dorf verlassen.

Er geht in eine Stadt am Meer und versucht sich mit kleineren Reparaturarbeiten in Kirchen etwas Geld zu verdienen. Als er schon aufgeben will, weil ihm niemand Arbeit gibt, trifft er in der letzten, der größten Kirche der Stadt einen Priester, der schon seit einem Jahr einen Steinmetz sucht.

Eine wunderschöne Marmorskulptur eines nackten Christus am Kreuz vom Anfang des 20. Jahrhunderts, soll vom nachträglich, aus Prüderie angebrachten Lendenschurz befreit werden. Als er zu bedenken gibt, dass er die "Natur" beim Entfernen des fremden Marmors zerstören könnte, erhält er den Auftrag, auch das zu restaurieren. 

"Die Natur, das Geschlecht, so nennen wir in meiner Gegend die Schamteile von Männern und Frauen."

S.32

Was zwischen den Zeilen steht

Und weiter möchte ich nichts verraten. An dieser Stelle wird der Restaurator und der Leser überrascht und auch am Ende gibt es eine, diesmal noch größere Überraschung. Ich werde auch den Schluss nicht verraten, auch wenn es kein Krimi ist, obwohl fast ein Mord geschieht. Es ist auch kein religiöses Buch, obwohl der gekreuzigte Christus im Mittelpunkt steht und alle drei großen Buchreligionen zu Wort kommen.

"Für mein Erleben schließe ich göttliches Eingreifen aus, nicht für das anderer Menschen. Das Du der Gebete, des Zorns und des Mitgefühls kann ich nur an die menschliche Spezies richten."

Erri de Luca im Vorwort

Es ist ein leises Buch über Grenzen, äußere und innere, über Anständigkeit und Moral, über Flucht und über Ankommen. Es erzählt vom Lieben, Verlieren und Behalten. Es erzählt auch von den Bergen, dem Meer und der Stadt. 

"Wer sagt, dass wir Bergbewohner sind, dem antworte ich, dass wir das Meer früher als andere hatten."

S.13

Und natürlich handelt es auch von Kunst, Kunstwerken und wie man sich respektvoll dem Werk eines anderen nähert. 

"Das Werk gehört dem Bildhauer, ich bin sein Stellvertreter im Detail"

S.186

Über den Autor

Erri De Luca
© Paola Porrini Bisson

Über Erri de Luca heißt es, er sei einer der meistgelesenen Schriftsteller Italiens. Das ist umso erstaunlicher, als er schon die verschiedensten Berufe ausgeübt und sich bei ganz unterschiedlichen Aktivitäten beteiligt hat. 

"Im Alter von achtzehn Jahren ging Erri De Luca 1968 nach Rom, um sich an der außerparlamentarischen Bewegung Lotta Continua (dt.: Ständiger Kampf) zu beteiligen. In den 1970er Jahren wurde er einer ihrer führenden Köpfe. Danach arbeitete er in zahlreichen Berufen in und außerhalb Italiens – als Facharbeiter bei Fiat, Kraftfahrer, Lagerist und Maurer. Während des Jugoslawien-Kriegs engagierte er sich als Kraftfahrer von Hilfslieferungen für die Bevölkerung. Er brachte sich selbst verschiedene Sprachen bei, darunter auch Althebräisch, was ihm die Übersetzung einiger Bücher der Bibel ins Italienische ermöglichte." (Quelle Wikipedia vom 05.07.2018)

Die Übersetzung

Seit Jahren übersetzt Annette Kopetzki schon die Texte von Erri de Luca. Da ist sie zur Expertin für die schönen Wortschöpfungen des Autors geworden, die sie behutsam und echt ins Deutsche überträgt. Wenn ich vergesse, dass es eine Übersetzung ist und dabei die Sprache des Autors wiedererkenne, dann halte ich es für eine gelungene Arbeit. Ein Glücksfall!

(siehe auch die ähnlich schwierige und behutsame Übersetzung von Andrea Baricco: Die schöne Braut)

"Porto all'aria anche i miei libri usati, li offro in lettura, faccio da bibliotheca comunale che non c'è. A me sono serviti a conoscere il mondo, la varietà delle persone, che da queste parti sono scarse. Tengono calda la casa, compatti contro la parete a settentrione."

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"Auch meine gebrauchten Bücher bringe ich an die Luft, biete sie zur Lektüre an, ich bin die Gemeindebücherei, die es hier nicht gibt. Mir haben sie geholfen, die Welt kennenzulernen, die Vielfalt der Menschen, von denen es in dieser Gegend wenige gibt. Bücher wärmen das Haus, wenn sie dicht an der Wand stehen, die nach Norden geht. (S.13/14)

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Den Himmel finden : Roman / Erri de Luca. Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki. - List: Berlin, 2018. - ISBN-13 9783471351710

spannende Krimis mit Tiefgang aus dem Ostwestfälischen. Heimerziehung, Kindesmissbrauch oder Homosexualität - das alles, zusammen mit Geldgier und Missgunst, ergibt eine brodelnde Mischung, die Stoff für zahlreiche Krimis liefert.

Spannende Krimis mit Tiefgang aus dem Ost-Westfälischen

Regionalkrimis spielen meist in einer Gegend, die gerne auch von Touristen besucht werden. Dahinter verbirgt sich nicht zuletzt Marketingkalkül. Wo man gerne in den Urlaub fährt, möchte man an Regentagen prickelnde Unterhaltung mit dem wohligen Gänsehauteffekt: „Och, da sind wir ja gestern noch vorbeigekommen. Und jetzt finden die da eine Leiche.“  So manch beschaulicher Ort hat dann in der Literatur so viele Morde vorzuweisen, wie sie im realen Leben nicht mal in ganz Deutschland passieren.

Aber Bad Oeynhausen und Bielefeld?

„Kalte Solevorkommen und warme Thermalquellen bilden die Grundlage vom Werden und Wachsen der Stadt Bad Oeynhausen. Mitte des 18. Jahrhunderts als Salzwerk gegründet, entwickelte sich die Anlage im Laufe des 19. Jahrhunderts zum größten Bad der preußischen Monarchie und schließlich zum kaiserzeitlichen „Weltbad“.“ - „Eingebettet zwischen Ravensberger Hügelland und dem Wiehengebirge leben heute ca. 50.000 Einwohner in der Stadt und ihren Stadtteilen. Jedes Jahr besuchen rund 111.000 Menschen (rund 1 Million Übernachtungen) Bad Oeynhausen zu Kur- oder Urlaubsaufenthalten.“ (Quelle)

Also gut, da gibt es sicher genügend interessierte LeserInnen, die nach den ermüdenden Anwendungen und wenn alle Kurwege abgeschritten sind, gerne etwas mit Lokalkolorit lesen. Carla Berling tut ihnen diesen Gefallen. Selbst in Bad Oeynhausen geboren und auf einem westfälischen Bauernhof aufgewachsen, kennt sie sich sehr gut mit der ostwestfälischen Mentalität und der dazu passenden Mundart aus.
© Random House/Philippe Ramakers
Und da man bekanntlich am besten davon schreibt, was man auch kennt, ist die sympathische Hauptperson eine neugierige Lokalreporterin, genau wie Carla Berling früher.

Reihenfolge

Carla Berling hat ihre Krimis rund um Ira Wittekind zuerst selbst verlegt. Der große Erfolg ihrer spannenden Krimis hat dann den Heyneverlag auf sie aufmerksam werden lassen. So kam es, dass sie dort zuerst den vierten Fall „Mordkapelle“ verlegt hat. Heyne wollte nämlich etwas Neues. Als auch dieser Band sehr erfolgreich war, entschied sich der Verlag, auch die anderen Bände in der richtigen Reihenfolge herauszugeben. Mittlerweile liegen also auch Band eins und zwei der Ira-Wittekind-Reihe vor. Im Herbst 2018 kommt mit "Tunnelspiel" der dritte Band heraus. Allen, die noch nichts von Berling gelesen haben, empfehle ich, sich nun der Reihe nach durch die spannenden Fälle zu lesen. Obwohl jeder Band in sich abgeschlossen ist, macht es Spaß, auch die persönlichen Hintergründe der Hauptperson zu erfahren und an ihrem Familien- und Liebesleben teilzuhaben.

Zum Inhalt

Im ersten Band mit dem Namen „Sonntags Tod“ wird man nämlich erst mal mit der bäuerlichen und dörflichen Herkunft von Ira Wittekind konfrontiert. Geschickt lässt Carla Berling gleich zu Beginn eine große Beerdigung mit anschließendem Leichenschmaus stattfinden. Beste Gelegenheit , die für den späteren Verlauf der Handlung wichtigen Persönlichkeiten vorzustellen. Wir werden zum ersten mal mit dem geschichtsträchtigen Hof Eskendor bekanntgemacht, auf dem unter anderem noch die alten Tanten Sophie und Friedchen wohnen. Hier findet Ira auch zu Andy, den sie schon aus Kindertagen kennt. Sowohl in "Sonntags Tod" als auch in "Königstöchter" stößt Ira Wittekind bei der Recherche zu den aktuellen Todesfällen auf lange geheimgehaltene Gräueltaten, die bis in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg zurückreichen und ganze Familien erschüttern. Zwischendurch möchte man ausrufen "Nicht auch das noch!". Aber es wird niemand geschont, weder die beteiligten Charaktere noch die Leser. Der Muff der 50er Jahre hat es Carla Berling angetan - ob es sich nun um Heimerziehung, Kindesmissbrauch oder Homosexualität handelt. Das alles, zusammen mit Geldgier und Missgunst, ergibt eine brodelnde Mischung, die Stoff für zahlreiche Krimis liefert. Schön, dass man sich zwischendurch auch herzhaft amüsieren kann, wenn die Tantchen ihren selbst gebrannten Schnaps holen und in breitester ostwestfälischer Mundart zur Aufklärung der vertrackten Fälle beitragen.

Fazit

Ich fühlte mich bei beiden Krimis sehr gut unterhalten. Genau die richtige Mischung von Schaudern, Humor und Familiengeschichte. Ich freue mich auf die nächsten Fälle und den weiteren Werdegang der sympathischen Hobbyschnüfflerin Ira Wittekind.

Lesung

Überdies freue ich mich auf die Lesung mit Carla Berling zu ihrem Buch "Königstöchter" in unserer Bücherei am 29. September. Sofern Sie im Rheinland wohnen, kommen Sie doch auch vorbei! Nähere Infos hier ..

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Sonntags Tod (2017) und Königsttöchter (2018) - Kriminalromane. - Heyne Über die Autorin: Carla Berling, unverbesserliche Ostwestfälin mit rheinländischem Temperament, lebt in Köln, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Mit der Krimi-Reihe um Ira Wittekind landete sie auf Anhieb einen Erfolg als Selfpublisherin. Bevor sie Bücher schrieb, arbeitete Carla Berling jahrelang als Lokalreporterin und Pressefotografin. Sie tourt außerdem regelmäßig mit ihrer Comedyreihe Jesses Maria durch große und kleine Städte. (Verlagstext)

Operation Bird Dog / 70 Jahre Währungsreform. Ein fundiert recherchierter Wirtschaftskrimi. Wie war es wirklich?

20. Juni 1948 - Geburtsstunde der Deutschen Markt

TÖDLICHE D-MARK 1948. Zwischen den Mächten der Alliierten treten immer deutlicher unterschiedliche Interessen zutage. Deutschland steht vor einer Zerreißprobe. Die Sowjetunion isoliert West-Berlin. Einige Monate nach der Währungsreform wird der Bankier Dr. Victor Wrede tot aufgefunden. Neben ihm liegen seine tote Frau und der bewusstlose Sohn Carl. Jahre später sucht Carl Wrede nach den Gründen für den Tod seiner Eltern. Dabei stößt er auf einen großangelegten Betrug während der Geburtsstunde der D-Mark (Klappentext)

©e_mager Operation Bird Dog / Jan-Christoph Nüse
©e_mager Operation Bird Dog / Jan-Christoph Nüse

Am 20. Juni wird die Währungsreform von 1948 70 Jahre zurückliegen. Die D-Mark, nach dem Krieg von der amerikanischen Besatzungsregierung in Westdeutschland eingeführt, die uns bis 2002 begleitet hat. Sogar der Name "Deutsche Mark" war eine Wortschöpfung eines Amerikaners. Sicher wird es aus diesem Anlass Nachrichten und Rückblicke in der Presse geben. Man kann natürlich auch jetzt schon einen ausführlichen Wikipedia-Artikel zum Thema lesen.

Aber nirgendwo werden wir auf so spannende Art und Weise an das Thema herangeführt, wie mit dem historischen Krimi von Jan-Christoph Nüse.

Der Autor, eigentlich Journalist, hat mehrere Jahre intensiv recherchiert. Oftmals war er der Erste, der nach 30 Jahren die betreffenden Archivunterlagen einsehen wollte. In diesem Zusammenhang stieß er auf den mysteriösen Selbstmord des Ehepaars Victor und Eva Wrede. Dr. Victor Wrede war Chefvolkswirt bei der Bank deutscher Länder.

Aus Fakten und Fiktion, viele Personen gab es wirklich, einige sind frei erfunden, gelingt es Nüse, einen spannenden Wirtschaftskrimi zu konstruieren, der sich an manchen Stellen geradezu zur Räuberpistole entwickelt.

Der junge Carl Wrede, 1958 gerade einmal 24 Jahre alt, hat den gemeinsamen Suizid seiner Eltern, die auch ihn mit ins Grab nehmen wollten, überlebt. Er wurde gerade noch rechtzeitig von einem Freund der Familie, Gerd Jennings, gefunden. Dieser wurde als Vormund für den vierzehnjährigen Jungen bestellt. Nach Internat und ersten Firmenpraktika lässt Carl der Tod seiner Eltern keine Ruhe. Er will herausfinden, ob es nicht doch ein Mord war, der in der ersten Nachkriegszeit von einflußreicher Seite vertuscht wurde. Tatsächlich wecken seine hartnäckigen Nachforschungen schlafende Hunde. Es wird gefährlich...

Nüse baut geschickt aus den beiden Zeitebenen 1948 und 1958 einen gut zu lesenden und historisch authentischen Roman.

Besonders zu Beginn des Buches wurde ich durch die spannenden Hintergründe der Operation Bird Dog, wie die Amerikaner die geheim zu haltenden Aktivitäten zur Einführung der neuen Währung nannten,  in eine mir fremde Welt kurz nach dem Krieg entführt. Die Sprünge in die andere Zeitebene des jungen Carl 1958 passen als spannunggebendes Element gut hinein. Zwischendurch fand ich es allerdings zunehmend schwieriger, den nur mit dem jeweiligen Datum und dem Ort der Handlung überschriebenen Kapiteln zu folgen. Das ist etwas mühsam, da ich mich, die ich leider mit Zahlen und Daten wenig anfangen kann, sehr konzentrieren musste. Aber das ist ein persönliches Manko. Sicher fällt das anderen LeserInnen viel leichter. Schließlich ist man nach wenigen Worten wieder voll informiert, da ja die handelnden Personen ebenfalls auf die gerade gemeinte Zeit hinweisen.

Zum Schluss überschlagen sich die Ereignisse und die zwischenzeitlich auftauchenden losen Enden der Geschichte werden alle für den Leser zufriedenstellend zusammengeführt.

Schön finde ich, dass Nüse unterschwellig mehrere Themen in seinem Buch mit verarbeitet, wie zum Beispiel die vom Krieg traumatisierten jungen Menschen und die Machenschaften derer, die ihr Nazitum auch noch Jahre nach dem Krieg weder bereuten noch ablegten. Sicher auch ein Buch, welches sich für ältere Jugendliche eignet.

Ich könnte mir sehr gut eine Verfilmung des Buches zum Jubiläum der Währungsreform vorstellen. Vielleicht zum 75.

©e_mager Mit dem Autor im Gespräch
©e_mager Mit dem Autor im Gespräch - Operation Bird Dog von Jan-Christoph Nüse

Über den Autor:

Jan-Christoph Nüse wurde 1958 in Dortmund geboren, ging in Würzburg zur Grundschule und studierte Sozialwissenschaften, Germanistik und Politikwissenschaften in Bochum und Hagen. Er arbeitet als Redakteur und Reporter beim Fernsehsender Phoenix in Bonn und Brüssel. Für seine Berichterstattung über Wirtschaft und Politik wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er hat einen Sohn und lebt seit zehn Jahren wieder in seiner Heimatstadt Dortmund. »Operation Bird Dog« ist sein erster Kriminalroman. (Verlagstext)

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Operation Bird Dog : Kriminalroman / Jan-Christoph Nüse. - Originalausg., 1. Aufl.  - Gmeiner : Meßkirch, 2018. - ISBN 9783839222836 ; kart. 15,00 €

Wüstenlektionen zum Aufbrechen und Ankommen bei sich selbst.

Mose - Wüstenlektionen zum Aufbrechen

Man kann jemanden in die Wüste schicken – das ist für diesen wenig schmeichelhaft. Er wird ausgeschlossen, isoliert. Man kann aber auch sich selbst in die Wüste schicken, einen Wüstentag einlegen, mal nur zu sich kommen. Das habe ich früher gerne gemacht, als die Kinder klein waren und ich dachte, ich werde vom Alltag aufgefressen. Ich bin früh morgens los, zu Fuß, und habe einfach nur mit mir selbst einen ganzen Tag verbracht. Ohne Gepäck, einen Apfel und Kekse als Proviant. Da bin ich zu mir selbst gekommen, habe ich mich unbequemen Fragen gestellt und manchmal habe ich auch Antworten gefunden. Jedenfalls war ich danach wieder bereit für Familie und Alltag.

Ein ganzes Wüstenbuch mit intensiven Lektionen hat jetzt Heiner Wilmer vorgelegt. Der 1961 geborene Herz-Jesu-Priester wurde gerade zum 71. Bischof von Hildesheim berufen. Damit ist er wieder einmal, wie auch schon in seinen früheren Funktionen als Schulleiter oder Generaloberer seines Ordens, ein relativ junger Mann für ein solch bedeutendes Amt.

Wie begegnet man solchen Herausforderungen, die wir im Grunde alle irgendwie mehr oder weniger zu meistern haben?

Heiner Wilmer : Hunger nach Freiheit. Mose - Wüstenlektionen zum Aufbrechen (Herder, 2018)
Heiner Wilmer : Hunger nach Freiheit. Mose - Wüstenlektionen zum Aufbrechen (Herder, 2018)

Viele suchen sich heute einen Coach, folgen berühmten Gurus, suchen Erkenntnisse in beliebiger Ratgeberliteratur. Wilmer findet jedoch, wie könnte es für einen Priester anders sein, sein leuchtendes Vorbild in der Bibel. Da nimmt er sich jedoch keinen strahlenden Held oder makellosen Heiligen, auch nicht Jesus selbst zum Maßstab, sondern erkennt sich in der Figur des Moses wieder.

In dreizehn Kapiteln stellt er uns die schillernde und vielfach gebrochene Person des, wie Wilmer es formuliert, ersten modernen Menschen der Bibel vor.

Nach einer längeren Reise durch Afrika und einem daran anschließenden Besuch in einer Ausstellung von Damien Hirst in Venedig hat er die folgende Erkenntnis:

„So wie moderne Kunst die Welt des Menschen in verschiedenen Brechungen zu fassen versucht, so glaube ich, dass Mose die Verkörperung des modernen Menschen ist. Er ist ein Mensch mit Sehnsüchten und Hoffnungen. Aber auch ein Mensch mit Ängsten, mit Kanten, mit Abgründen. (…) Vor allem aber ist Mose einer, der den gleichen Hunger hat wie der moderne Mensch: den Hunger nach Freiheit.“

Nun nimmt uns Wilmer mit zu den vielen Stationen in Moses Leben und schlüsselt auf, welche Bedeutung gerade die jeweilige Begebenheit für die Entwicklung dieser berühmten Figur hat. Es gibt eigentlich keine Phase im Leben eines Menschen, die Moses nicht schon vorgelebt und ausgehalten hätte. In Kapiteln wie „Der fremde Totschläger“, „Der Brennende“, „Der Stotterer“ oder „der Treue“, um nur einige zu nennen, analysiert der Autor erst die meist sehr bekannte Episode, um sie dann ins Heute und als „Schlüssel zu mir selbst“ umzudeuten.

Das macht Wilmer so einleuchtend und menschenfreundlich – ganz ohne den religiös erhobenen Zeigefinger – dass selbst wenig religiöse Menschen etwas aus diesen Wüstenlektionen für den Alltag mitnehmen können.

Schön ist auch, dass Heiner Wilmer immer auch etwas aus seinem eigenen Leben preisgibt und zu Beispielen heranzieht, so dass es nicht nur ein Buch über Mose, sondern auch ein ganz persönliches Buch über den Autor wird. Er, der auf einem Bauernhof im Emsland aufgewachsen ist, zitiert am Ende seines Buches seinen alten Onkel Bernd, der ihn schon als Kind mit dem Satz, „Jungs, ihr dürft euch nie ganz satt essen.“ verwundert hat. Erst mit Mose, der das gelobte Land nicht betreten durfte, versteht er:

„Zu spüren, wann Schluss ist, egal, ob mit Essen oder anderen Dingen, das ist Achtsamkeit, das ist Wachheit. Achtsam zu sein, bedeutet wach zu sein, offen. Diese Wachheit und diese Offenheit wiederum machen Freiheit aus.“

In einem als Nachwort deklariertem Exkurs hebt Wilmer dann doch noch den Zeigefinger und beschwört die Gefahr herauf, dass das Abendland seine Seele verlieren könnte, wenn es verleugnete, auf einem jüdisch-christlichem Fundament zu stehen.

Nehmen Sie sich für dieses Buch Zeit, wenn es für eine Zeit in der Wüste nicht reicht! 

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Hunger nach Freiheit : Mose - Wüstenlektionen zum Aufbrechen / Heiner Wilmer unter Mitarbeit von Simon Biallowons. - Herder: Freiburg u.a., 2018. - ISBN 9783451379451 - fest gebunden 20 €

Ratgeber in Comic-Form für Eltern, die dringend Hilfe bei der Erziehung "besonderer Kinder" brauchen

Ratgeber in Comic-Form für Eltern, die dringend Hilfe bei der Erziehung "besonderer Kinder" brauchen

Kleindienst / Corazza : Wenn der kleine Sonnenschein zum Quälgeist wird. (Ullmann, 2018)
Kleindienst / Corazza : Wenn der kleine Sonnenschein zum Quälgeist wird. (Ullmann, 2018)

Heute soll es einmal ein spezielles Sachbuch sein, das ich als erfahrene Mutter von drei Kindern, der nichts Menschliches fremd ist, vorstellen möchte.

Das handliche, in stabiler Broschur gebundene Buch, kommt uns beim ersten Durchblättern als humorvoller Comic entgegen, der uns vermittelt, eine schnelle Hilfe bei verfahrenen Situationen mit dem verstockten Sprössling zu sein.

Auch der Text auf dem Einband: "Illustrierte Tipps und Tricks für einen entspannten Familienalltag mit Kindern ab 3 Jahren" suggeriert, ein fröhlicher Ratgeber für alle Eltern zu sein.

Kleindienst / Corazza : Wenn der kleine Sonnenschein zum Quälgeist wird. (Ullmann, 2018)
Kleindienst / Corazza : Wenn der kleine Sonnenschein zum Quälgeist wird. (Ullmann, 2018)

Ich möchte warnen! Diese Übersetzung aus dem Französischen ist ein ernst zu nehmender Text, der sehr komplexe und komplizierte Sachverhalte vor allem im Umgang mit hochsensiblen und ADS- oder ADHS-Kindern geben will.

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