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Eine berührende Lebensgeschichte einer Familie über drei Generationen im italienischen Apennin. Opulent einfach! So wie der Großvater der Erzählerin Schmetterlinge präpariert, so arbeitet Valentini mit Sprache. Jedes Wort scheint wohlüberlegt mit der Pinzette aus dem reichen Schatz der Worte vorsichtig herausgezogen worden zu sein.

das einfache Leben - eine italienische Familiengeschichte

Eine berührende Lebensgeschichte einer Familie über drei Generationen im italienischen Apennin.

In letzter Zeit stehen Familiengeschichten über mehrere Generationen in Italien hoch im Kurs. Elena Ferrante mit ihren vier Bänden der Neapel-Saga (2016, Suhrkamp) oder „Familienbild mit dickem Kind“ von Margerita Giacobino (2016, Kunstmann).

Maria Rosaria Valentini: Magnifica. Roman
© Dumont Maria Rosa Valentini : Magnifica

Ein besonderes Kleinod, das ebenfalls diesem Genre zugerechnet werden kann, ist das Buch „Magnifica“ von Maria Rosaria Valentini.

Auch hier erinnert sich eine weibliche Ich-Erzählerin ihrer Vorfahren und erzählt eine Geschichte von Leidenschaft, karger Arbeitswelt, Entbehrungen, Versuchungen, Liebe, Mutterschaft und Tod. Und es sind wieder die Frauen, die die Generationen zusammenhalten.

Das Buch ist außerdem eine grandiose Naturerzählung. Es spielt in einem nicht näher benannten Dorf am Ende eines abgelegenen, engen Tals im Apennin mit seinen weltberühmten Buchenwäldern.

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Gut Altenstein in Brandenburg. Sommersitz der Grafen von Kolberg aus Mohrungen bei Königsberg in Ostpreußen. Als die Russen im Zuge des zweiten Weltkriegs die Menschen aus den deutschen Ostgebieten vertrieben, musste sich auch die Familie von Kolberg in Sicherheit bringen. Gut Altenstein erschien als der ideale Zufluchtsort, doch auch von dort musste Agnes von Kolberg mit ihren Kindern weiter in den Westen fliehen. Kuno von Kolberg, Agnes Ehemann, ging zurück an die Ostfront, von wo er nie zurückkehrte. Agnes kommt in Hersel bei Bonn unter, wo sie die Kinder zwar am Rande der Armut, aber immer im Geiste des Hochadels erzieht.

Für Agnes und Kuno war es die zweite Ehe, in die sie beide drei Töchter mit einbrachten. Nach dem ersten gemeinsamen Kind, Moritz, kamen noch zwei Mädchen, Helene und Marie. Da Marie die neunte war, wurde sie von allen Nona genannt. Agnes wollte Kuno unbedingt noch einen Jungen schenken, da Mädchen in der Familie nicht wirklich zählten. Doch ihr zehntes Kind, wahrhaftig ein Junge, war eine Totgeburt. Obwohl Kuno nun keine Kinder mehr wollte, setzte Agnes sich durch und bekam 1944 den Knaben Konrad.

«‹Frau Gräfin, Sie sind wie eine Blume, und ihre Kinder sind die Blütenblätter.› So sah sie sich. Sie war das Zentrum, wir nur die Zierde.» (S. 62) Diese Metapher findet sich auf dem Titelblatt wieder.

Von diesem reichen "Material" ausgehend, hat Julie von Kessel das farbige Panorama einer großen Familie im 20. Jahrhundert entwickelt. Obwohl es in erster Linie um Konrad zu gehen scheint, der nach der Wende das Gut Altenstein zurück in den Familienbesitz bringen will, sind in diesem Epos die wahren Hauptfiguren die Frauen. Sie sind tatkräftig und willensstark, während Moritz und Konrad eher schwächere Charaktere haben. Wir verfolgen in großen Zeitsprüngen kaleidoskopartig die Personen und ihre Rolle innerhalb der Familie. Nach und nach werden wir auch in die näheren Umstände der abenteuerlichen Flucht von Agnes und den Kindern eingeweiht. Wir verfolgen vereinzelt die Lebensstationen der Geschwister in Bonn, Rom, Brüssel und Mexiko.

Während der Lektüre kam ich mir vor wie ein Gast auf einem großen Familientreffen, bei dem man sich aus den verstreuten Erzählungen der Insider ein Bild der Geschehnisse machen muss. Die zeitlich und räumlich versprengten Kapitel sind thematisch zu Gruppen zusammengefasst. So bildet sich nur langsam ein roter Faden heraus. Nach einem Prolog, in dem Agnes den kleinen Konrad einem fast unbekannten Mädchen anvertraut, die ihn 1945 in einem überfüllten Zug von Königsberg mit nach Altenstein nimmt, werden wir schon im ersten Kapitel mit Konrads frühzeitigem Tod konfrontiert. Er stirbt 2005 an Krebs. So ist quasi das Ende der Geschichte schon am Anfang verraten. Dazwischen lernen wir außer Agnes nur einen Teil der zehn Kinder kennen. Es geht vor allem um Konrad, Moritz und Nona. Eine besondere Rolle spielt Isolde, genannt Bobby, die als einzige Tochter aus Kunos erster Ehe beim Vater geblieben ist. Sie gibt den jüngeren Halbgeschwistern den mütterlichen Halt, den Agnes als sehr ichbezogene Frau ihren Kindern nicht geben kann.

Mich hat es ziemlich gestört, dass dieses Familienepos ohne jede Chronologie der Ereignisse erzählt wird. Die thematischen Zusammenfassungen der Kapitel erschließen sich nur aus dem Inhaltsverzeichnis. Die Personen haben alle irgendwelche Macken und wurden mir nicht wirklich sympathisch. Jede und jeder verfolgt sein Ziel und ist auf seinen Vorteil bedacht. So ist es wahrscheinlich auch in vielen großen Familien und kann deswegen als realistisch gelten. (In meiner Familie ist es zum Glück nicht so.) Mich wundert auch, dass Agnes immer als Mutter von 10 Kindern dargestellt wird, obwohl nur sechs im Text näher benannt werden. Wir erfahren noch nicht mal die Namen der anderen, obwohl zumindest acht auf der Flucht aus Ostpreußen mit dabei gewesen sein müssen. Anstelle dessen lernen wir zwei Cousins der Geschwister mit Namen kennen.

Trotzdem wird es sicher viele Leser finden - schon allein wegen des hübschen Covers und des Themas Ostpreußen. Die Autorin Julie von Kessel versteht es, spannend zu erzählen, das ist gar keine Frage.

Jedenfalls ein tolles Buch für Lesekreise, es bietet eine Fülle an Gesprächsstoff - heftige Diskussionen sind garantiert.

Altenstein : Roman / Julie von Kessel. - 1. Aufl., 425 S.  - Reinbeck b. Hamburg: Rowohlt, 2017. - fest geb., ISBN 9783463406770 - 19,95 €

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