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glaser_11952, wenige Jahre nach Kriegsende, setzte sich Konrad Adenauer für das "Wiedergutmachungsgesetz" ein, welches Opfern der Konzentrationslager ein wenig finanzielle Entschädigung bieten sollte. Die Stimmung der Bevölkerung der jungen Bundesrepublik war eher ablehnend, man wollte vergessen und fühlte sich selbst als Opfer. In wichtigen Staatsämtern saß zum Teil noch immer dasselbe Personal wie zur Nazizeit. Während der Beratungen zur Umsetzung des Gesetzes, die in den Niederlanden und Luxemburg stattfanden, wurde Adenauer mehrfach von Attentaten bedroht. Israel und den im sonstigen Ausland lebenden Juden war sehr am positiven Ausgang der Verhandlungen gelegen.

Diese historischen Fakten verquickt Brigitte Glaser mit einem spannenden Plot, der vor allem  im feinen Hotel Bühlerhof im Schwarzwaldspielt, wo Konrad Adenauer mehrmals zu Kuraufenthalten weilte. Auch das entspricht den Tatsachen, fand jedoch in Wirklichkeit später statt. Weitere Schauplätze sind ein Kibbuz in Israel und die marokkanische Stadt Tanger.

Die große Politik bricht Glaser herunter auf die Schicksale dreier Frauen, aus deren jeweiliger Sicht wir die Ereignisse miterleben.

Rosa Silberstein hat sich mit ihrer Schwester Rachel in den 30iger Jahren nach Palestina retten können. Alle anderen Familienmitglieder kamen im KZ ums Leben. Die Mädchen halfen im Kibbuz beim Aufbau des neuen Staates Israel. Jetzt schickt der Mossad Rosa auf die Bühlerhöhe, um Adenauer vor einem Attentat zu beschützen. Sie war als Kind mit ihrem Großvater und ihrer Schwester selbst zu Gast im Hotel und kennt sich dort aus.

Sophie Reisacher ist die Hausdame im Hotel Bühlerhöhe und muss sich wiederwillig ums Personal und die täglichen Belange des Betriebs kümmern. Sie träumt von einer Heirat, mit der sie in bessere Kreise aufsteigen kann. Als Witwe eines Deutschen kann Sie nicht zurück ins heimatlich Straßburg, das nun zu Frankreich gehört.

Agnes Rheinschmitt arbeitet als Büroangestellte im nahe gelegenen Hotel Hundseck, in dem der Bundeskanzler zur Frischzellenkur und zum Schwimmen angemeldet ist. Agnes stammt aus dem Tal und ist einfältig und abergläubig. Ihre ältere Schwester Walburg hat sich nach einem traumatischen Erlebnis mit marokkanischen Soldaten, die auf der Seite Frankreichs kämpften, vollständig mit Hund und Gewehr in den Wald zurückgezogen.

So wie die Schauplätze wechseln, erleben wir die Geschichte jeweils aus der Perspektive einer dieser Frauen. Todesfälle, Intrigen, Verdächtigungen halten uns in Atem. Lange bleibt im Dunkeln wie die Fäden zusammengehören und wer zu den Guten, wer zu den Bösen gehört. Das liegt vor allem auch an den zahlreichen männlichen Akteuren, bei denen bis zuletzt nicht ganz klar wird, ob man ihnen trauen kann. Als sich am Ende die Ereignisse überschlagen, gibt es noch überraschende Wendungen.

Brigitte Glaser ist es gelungen, eine große Geschichte in einen spannenden Roman zu verpacken. Selbst wer sich nicht für die politischen Hintergründe interessiert, wird doch vom gut geschrieben Krimi mitgerissen. Im Anhang bietet das Buch ein Glossar zu den Fakten rund um das "Wiedergutmachungsgesetz" und die Verbindungen der Bundesrepublik zu Israel und Marokko. Außerdem gibt es ein Quellenverzeichnis - Brigitte Glaser hat umfangreich für dieses Buch recherchiert.

Eine klare Leseempfehlung für Liebhaberinnen (!) historisch fundierter Spannungsliteratur. Ja, ich glaube, das Buch wird vor allem Frauen ansprechen, da es vollständig aus der Perspektive von Frauen erzählt wird.

Bühlerhöhe : Roman / Brigitte Glaser. - Berlin: Ullstein, 2016. - 448 S., fest geb. 20 €. - ISBN 9783471351260 (erscheint im August 2016)

Dieser Buchbesprechung liegt die digitale Ausgabe als epub zu Grunde. ISBN 9783843713757 - 16,99 €

Na endlich. Eine Studie zu informellen und non-formalen* Lernmöglichkeiten in Europas Bibliotheken ist längst überfällig. Eine (englischsprachige) Online-Umfrage stellt die Basis dar. Unbedingt mitmachen bis 17.6.2016! * in Abgrenzung zu formalem oder formellen Lernens, welches lernzielorientiert, institutionalisiert und zertifiziert ist.

über Europäische Studie zum Lernen in ÖBs — Fortbildung in Bibliotheken

Kein Witz! So reden die Leute in Deutschland. Man kennt das ja: immer mal wieder schnappt man Gespräche auf, die einen schmunzeln lassen. Manchmal ist es originell, ein anderes Mal ist es zum Fremdschämen. Ich war letzt auf einem Beerdigungskaffee und just der Kaffee konnte nicht so schnell herangeschafft werden, wie die Trauergesellschaft sich das gewünscht hätte. Die Kellnerin entschuldigte sich mit den Worten: "Wir sind mit dem Kaffee leider in Vollzug geraten."

IMG_20160606_221106Die Autorinnen Petra Brumshagen und Nina Petersmann haben sehr genau zugehört und ziemlich lange gesammelt, was so im öffentlichen Raum halbprivat geredet wird. Dann haben Sie das Material gesichtet und in acht Kapitel, jeweils mit einer kleinen Einleitung versehen, eingeordnet. Herausgekommen ist ein kurzweiliges, schnell zu lesendes Kompendium der gesprochenen Stilblüten in Deutschland, gerne auch im Dialekt.
Mal kurz und knapp, mal als längere Episode. Manchmal konnte ich schallend lachen, dann wieder nur kurz schmunzeln. Hier findet sich allerlei Material für Büttenreden oder Vorlagen für "der gespielte Witz".

Ein ideales Geschenkbuch, welches später zur Freude der Gäste als klassische "Klo-Lektüre" auf dem stillen Örtchen landet. Ich hab's gerne gelesen.

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Mein Sohn hat 'ne Schildkrötenunterfunktion : mitgehört in Deutschland / Petra Brumshagen, Nina Petersmann. - Ullstein-Verlag, 2016. - Taschenbuch, 144 S., 9,99 € ISBN 9783548376219  (auch als eBook erhältlich. 8,99 €  ISBN 9783843712958)

Diese Besprechung beruht auf der digitalen Epub-Ausgabe.

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Die Vorfreude war groß - die "Nachfreude" hält noch an.

Das war ein gelungener halber Tag im Haus des Bastei-Lübbe-Verlags. Auch Kiepenheuer&Witsch, sowie Dumont und Lyx waren da und teilten sich die Spielfläche. Das Programm war sehr gut vorbereitet. Es war die erste Liblogger Convention und - praktisch für mich - gleich in Köln, also ganz in der Nähe. Die Anfahrt gestaltete sich jedoch dank Gewitter und heftigen Wolkenbruchs zu einer aufregenden Fahrt. Trotzdem kam ich pünktlich zum Get Together um 13 Uhr. Und Parkplätze gab es auch direkt auf dem Gelände. Super.

Gleich zu Beginn bekam man von netten jungen Damen einen Stoffbeutel mit allerlei netten gaben überreicht: Knabberkram, Blumensamen, Tee, ein Wandtatoo und vier aktuelle Bücher quer durch die Genres der anwesenden Verlage. In den Beutel passten dann auch noch andere Goodies, die großzügig abgegeben wurden.

Bei Kaffee und Kuchen kam man gleich mit ein paar anderen Bloggerinnen ins Gespräch. Ja - weiblich und meistens höchstens 35 Jahre alt. Die Herren waren noch spärlicher gesät als die Damen meiner Altersklasse (50+). Hmmm

Pünktlich kurz vor 14 Uhr wurden wir erfrischend knackig von den Organisatorinnen (ja - auch alle weiblich) begrüßt. Kompetent und kein Wort zu viel - dann ging es auch schon zu den einzelnen Angeboten, die sich über die sechs Etagen des Hauses verteilten. Da hieß es schnell sein, denn einige Räume waren bald wegen Überfüllung geschlossen. Gut, dass ich mir meine Wfaltenunschpanels schon tags zuvor herausgesucht hatte.

 

Zuerst habe ich mit TINA BRÖMME UND KRISTINA GÜNAK herzlich gelacht über ihre Texte zu WG-Partnern und Abitreffen. Eine Stunde später verzauberten mich ENNO KALISCH,MEHRDAD ZAERI UND FRIEDWART GOEBELS mit ihrem wunderschönen Knopfkino.IMG_20160604_164405

In der dritten Stunde konnte ich MONA KASTEN kennen lernen. Später kann ich einmal sagen, ich hätte sie schon getroffen, bevor sie sooo berühmt war, wie sie es dann sein wird. Und dass sie Erfolg haben wird, davon bin ich jetzt schon überzeugt.

Beim letzten Panel habe ich mich vom Titel irreführen lassen. "Blog oder Tagebuch". Hier dachte ich, dass es endlich mal ums bloggen ginge. Aber da bin ich in eine Kochbuchvorstellung hineingeraten. Wenn ich das Programmheft, welches übrigens sehr schön gestaltet war, aufmerksamer studiert hätte, wäre es klar gewesen. Die Übersetzerin des englischen Kochbuchstars Nigel Slater hat uns gekonnt dessen Küchentagebuch vorgestellt. Sie hat sich redlich bemüht, immer wieder einen Bezug zum bloggen herzustellen. Auch dies ein gelungener Programmpunkt - aber: spätestens hier fragte man sich, warum das Programm nicht mehr auf die Bloggerszene einging. Schließlich war es eine Bloggerconvention. Vielleicht könnten die Macher der nächsten Litblog Convention das berücksichtigen.

Um 18 Uhr war meine Zeit auf der #litblogcon16 leider vorbei. Das Autorenspeeddating stelle ich mir spaßig vor, die abschließende Party hat bestimmt zu vielen neuen Kontakten unter den BloggerInnen geführt.

Eine gelungene erste Veranstaltung! Danke an alle Organisatoren.

Ganz persönlich: ich habe mich sehr gefreut, die netten leckerekekse.de BloggerInnen kennen gelernt zu haben. 😉

 

 

bloglitWir "Litblogger" freuen uns ja, Bücher zugesandt zu bekommen. Wir lesen gerne, schreiben gerne ... und das Buch darf man behalten. Win - win nennt man das wohl.

Bloß - diesmal habe ich ein Problem. Das Buch ist sch.... Und es ist wirklich nur schlecht, da kann man nichts beschönigen. Soll ich das jetzt auch besprechen? Wie sage ich es dem Autor, der ganz stolz ist auf sein Baby? Für ihn wäre es am besten, ich würde schweigen. Aber ist das ehrlich? Wird mein Blog nicht erst wirklich glaubwürdig, wenn ich auch die Verrisse veröffentliche?

Da merke ich mal wieder, wie harmoniebedürftig ich bin. Wie gehen denn die anderen damit um?

Ich glaube, ich schicke das Ding an den Autor zurück - und damit hat es sich.

Oder?