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Wüstenlektionen zum Aufbrechen und Ankommen bei sich selbst.

Mose - Wüstenlektionen zum Aufbrechen

Man kann jemanden in die Wüste schicken – das ist für diesen wenig schmeichelhaft. Er wird ausgeschlossen, isoliert. Man kann aber auch sich selbst in die Wüste schicken, einen Wüstentag einlegen, mal nur zu sich kommen. Das habe ich früher gerne gemacht, als die Kinder klein waren und ich dachte, ich werde vom Alltag aufgefressen. Ich bin früh morgens los, zu Fuß, und habe einfach nur mit mir selbst einen ganzen Tag verbracht. Ohne Gepäck, einen Apfel und Kekse als Proviant. Da bin ich zu mir selbst gekommen, habe ich mich unbequemen Fragen gestellt und manchmal habe ich auch Antworten gefunden. Jedenfalls war ich danach wieder bereit für Familie und Alltag.

Ein ganzes Wüstenbuch mit intensiven Lektionen hat jetzt Heiner Wilmer vorgelegt. Der 1961 geborene Herz-Jesu-Priester wurde gerade zum 71. Bischof von Hildesheim berufen. Damit ist er wieder einmal, wie auch schon in seinen früheren Funktionen als Schulleiter oder Generaloberer seines Ordens, ein relativ junger Mann für ein solch bedeutendes Amt.

Wie begegnet man solchen Herausforderungen, die wir im Grunde alle irgendwie mehr oder weniger zu meistern haben?

Heiner Wilmer : Hunger nach Freiheit. Mose - Wüstenlektionen zum Aufbrechen (Herder, 2018)
Heiner Wilmer : Hunger nach Freiheit. Mose - Wüstenlektionen zum Aufbrechen (Herder, 2018)

Viele suchen sich heute einen Coach, folgen berühmten Gurus, suchen Erkenntnisse in beliebiger Ratgeberliteratur. Wilmer findet jedoch, wie könnte es für einen Priester anders sein, sein leuchtendes Vorbild in der Bibel. Da nimmt er sich jedoch keinen strahlenden Held oder makellosen Heiligen, auch nicht Jesus selbst zum Maßstab, sondern erkennt sich in der Figur des Moses wieder.

In dreizehn Kapiteln stellt er uns die schillernde und vielfach gebrochene Person des, wie Wilmer es formuliert, ersten modernen Menschen der Bibel vor.

Nach einer längeren Reise durch Afrika und einem daran anschließenden Besuch in einer Ausstellung von Damien Hirst in Venedig hat er die folgende Erkenntnis:

„So wie moderne Kunst die Welt des Menschen in verschiedenen Brechungen zu fassen versucht, so glaube ich, dass Mose die Verkörperung des modernen Menschen ist. Er ist ein Mensch mit Sehnsüchten und Hoffnungen. Aber auch ein Mensch mit Ängsten, mit Kanten, mit Abgründen. (…) Vor allem aber ist Mose einer, der den gleichen Hunger hat wie der moderne Mensch: den Hunger nach Freiheit.“

Nun nimmt uns Wilmer mit zu den vielen Stationen in Moses Leben und schlüsselt auf, welche Bedeutung gerade die jeweilige Begebenheit für die Entwicklung dieser berühmten Figur hat. Es gibt eigentlich keine Phase im Leben eines Menschen, die Moses nicht schon vorgelebt und ausgehalten hätte. In Kapiteln wie „Der fremde Totschläger“, „Der Brennende“, „Der Stotterer“ oder „der Treue“, um nur einige zu nennen, analysiert der Autor erst die meist sehr bekannte Episode, um sie dann ins Heute und als „Schlüssel zu mir selbst“ umzudeuten.

Das macht Wilmer so einleuchtend und menschenfreundlich – ganz ohne den religiös erhobenen Zeigefinger – dass selbst wenig religiöse Menschen etwas aus diesen Wüstenlektionen für den Alltag mitnehmen können.

Schön ist auch, dass Heiner Wilmer immer auch etwas aus seinem eigenen Leben preisgibt und zu Beispielen heranzieht, so dass es nicht nur ein Buch über Mose, sondern auch ein ganz persönliches Buch über den Autor wird. Er, der auf einem Bauernhof im Emsland aufgewachsen ist, zitiert am Ende seines Buches seinen alten Onkel Bernd, der ihn schon als Kind mit dem Satz, „Jungs, ihr dürft euch nie ganz satt essen.“ verwundert hat. Erst mit Mose, der das gelobte Land nicht betreten durfte, versteht er:

„Zu spüren, wann Schluss ist, egal, ob mit Essen oder anderen Dingen, das ist Achtsamkeit, das ist Wachheit. Achtsam zu sein, bedeutet wach zu sein, offen. Diese Wachheit und diese Offenheit wiederum machen Freiheit aus.“

In einem als Nachwort deklariertem Exkurs hebt Wilmer dann doch noch den Zeigefinger und beschwört die Gefahr herauf, dass das Abendland seine Seele verlieren könnte, wenn es verleugnete, auf einem jüdisch-christlichem Fundament zu stehen.

Nehmen Sie sich für dieses Buch Zeit, wenn es für eine Zeit in der Wüste nicht reicht! 

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Hunger nach Freiheit : Mose - Wüstenlektionen zum Aufbrechen / Heiner Wilmer unter Mitarbeit von Simon Biallowons. - Herder: Freiburg u.a., 2018. - ISBN 9783451379451 - fest gebunden 20 €

Ratgeber in Comic-Form für Eltern, die dringend Hilfe bei der Erziehung "besonderer Kinder" brauchen

Ratgeber in Comic-Form für Eltern, die dringend Hilfe bei der Erziehung "besonderer Kinder" brauchen

Kleindienst / Corazza : Wenn der kleine Sonnenschein zum Quälgeist wird. (Ullmann, 2018)
Kleindienst / Corazza : Wenn der kleine Sonnenschein zum Quälgeist wird. (Ullmann, 2018)

Heute soll es einmal ein spezielles Sachbuch sein, das ich als erfahrene Mutter von drei Kindern, der nichts Menschliches fremd ist, vorstellen möchte.

Das handliche, in stabiler Broschur gebundene Buch, kommt uns beim ersten Durchblättern als humorvoller Comic entgegen, der uns vermittelt, eine schnelle Hilfe bei verfahrenen Situationen mit dem verstockten Sprössling zu sein.

Auch der Text auf dem Einband: "Illustrierte Tipps und Tricks für einen entspannten Familienalltag mit Kindern ab 3 Jahren" suggeriert, ein fröhlicher Ratgeber für alle Eltern zu sein.

Kleindienst / Corazza : Wenn der kleine Sonnenschein zum Quälgeist wird. (Ullmann, 2018)
Kleindienst / Corazza : Wenn der kleine Sonnenschein zum Quälgeist wird. (Ullmann, 2018)

Ich möchte warnen! Diese Übersetzung aus dem Französischen ist ein ernst zu nehmender Text, der sehr komplexe und komplizierte Sachverhalte vor allem im Umgang mit hochsensiblen und ADS- oder ADHS-Kindern geben will.

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Der Abiball als Prüfstein für alte und neue Beziehungen.

IMG_20180214_141746Hier bleiben nur zwei Fragen offen: wer tanzt mit Oma und wer ist eigentlich Eric Nil?

Eric Nil, laut Verlagsangabe ein bekannter Schriftsteller und Kenner komplizierter Familienkonstellationen, hat die Abifeier seiner Tochter zum Anlass genommen, einen als Roman gekennzeichneten Bericht über seine Überlegungen vor und nach dem Fest zu protokollieren. Dabei lässt er dann auch keine noch so abseitige Wendung außer acht.

Dieses amüsante Büchlein sollte man scheidungswilligen Paaren mit kleinen Kindern schenken, damit sie über spätere Konsequenzen informiert sind.

Selbst wenn alle Beteiligten einer Scheidung - ehemalige Partner, neue Lebensgefährten und die dazugehörigen Kinder - einvernehmlich und sogar freundschaftlich die schwierigsten Fragen klären konnten, es kommt der Tag, an dem eines der größeren Feste ansteht: Abiball, Hochzeit, Taufen, Kinderkommunionen ... Und dann wird es trotz aller Abgeklärtheit und Vernunft schwierig! Das fängt bei der Sitzordnung an und hört beim gemeinsamen Tanz nicht auf. Sogar die Fahrt nach Hause nach der Feier kann noch Explosionsstoff 9783869711652.jpgenthalten. Bei weniger abgeklärten Gemütern könnten da auch die neuen Beziehungen zerbrechen.

Was hier als äußerst amüsanter Blick auf komplizierte Sitzverhältnisse während einer Familienfeier locker daher kommt, kann zwischen den Zeilen auch wehmütig und bedauernd gelesen werden. Nie werde ich den Satz eines guten Freundes vergessen: "Das Beste im Leben war meine schlechte Ehe."

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Abifeier: Roman / Eric Nil. - Berlin: Galiani, 2018. - 160 S. - ISBN 9783869711652 fest geb. : 17,00 €

 

 

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Die Gründerin von original unverpackt vom ersten Gedanken zum Plastikmüll bis zur Gründung ihres Supermarkts.

IMG_20171011_111424 (1)Noch keine ganze Woche ist Milena Glimbovskis Buch "Ohne Wenn und Abfall" nun im Handel und hat schon 12 Kundenrezensionen auf einer großen Buchverkaufsplattform erhalten. Das ist gut so! Denn Milena, selbst erst 27 Jahre alt, hat etwas geschafft, das ich nur bewundern kann.

Wie oft hat sich jeder von uns schon über den Plastikmüll aufgeregt, der nach einem Einkauf und der Zubereitung eines schönen Essens am Ende in die Tonne wandert? Und welche Konsequenzen haben wir daraus gezogen?

...weiterlesen "Ohne Wenn und Abfall / Milena Glimbovski"

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Zero Waste - versuchen wir es! Fangen wir mit Plastik an: es landet in der Natur, im Meer, im Boden und letztlich in unserer Nahrung.

Ihr kennt das: eigentlich weiß man etwas schon lange, aber dann gibt es einen letzten Impuls und los geht’s.

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Wir verbrauchen zu viel Plastik und überhaupt verschwenden wir unnötig viele Ressourcen, die fast ungenutzt auf dem Müll landen. Schlimmer noch - in der Natur, im Meer, im Boden und letztlich in unserer Nahrung, egal ob pflanzlich oder tierisch.

Wir haben die Bilder von den Plastikinseln im Meer alle schon mal gesehen. Wir wissen, dass Plastik Jahrtausende braucht, um zu verrotten. Aber dann vergessen wir es wieder. Beruhigen uns damit, dass unser Plastik ja im Recyclinghof landet und wiederverwertet wird. Unsere deutsche Umverpackung für den leckeren Käse wird doch wohl nicht im Meer landen. Oder doch?

Unbehagen machte sich bei mir schon länger breit, angesichts der vielen Plastikverpackungen, die bei uns im Haushalt so anfallen. Vor allem im Kühlschrank hatte ich es ständig vor Augen. Aber auch im Bad geht es nicht ohne Plastiktuben für Shampoo, Zahnpasta, Cremes. Genauso bei der Reinigung des Haushalts - alles kommt in praktischen Plastikflaschen daher.

Und dann war da die Litblog Convention in Köln 2017. das ist ein Treffen für Literaturblogger, zu denen ich mich seit einiger Zeit rechne. Da geht es vor allem um Bücher und ums Bloggen. Aber - und das ist ja das Tolle an Büchern - sie handeln alle von einem bestimmten Thema, in ihnen steckt die ganze Welt.

Cover-Glimbovski-Ohne-Wenn-und-Abfall-188x300Und hier ging es um das Buch von Milena Glimbowski: Ohne Wenn und Abfall, dass erst im Oktober 2017 erscheinen wird. Wir sitzen interessiert im sogenannten Panel mit der 27jährigen Milena, die mit 22 den ersten "original unverpackt"-Laden in Berlin eröffnet hat. Wir mit unseren Einweg-Plastikflaschen. Sie und ihr Lektor natürlich mit einer wiederbefüllbaren Glasflasche. Irgendwie schon komisch.

Sie hat also nicht nur recherchiert und ein Buch geschrieben, sondern weiß wovon sie spricht. Sie wollte etwas tun und hat es umgesetzt. Schritt für Schritt hat sie ausprobiert, ob es auch ohne so viel Müll geht. Sie lebt es vor und sie ermöglicht es anderen, indem sie Waren aller Art unverpackt verkauft. Hier der Link zum Shop. Ihre einfache Message an diesem Nachmittag: einfach anfangen!

Danach arbeitete es in mir. Das Unbehagen (s.o.) stieg. Und dann erinnerte ich mich, dass wir ein ähnliches Geschäft ganz in meiner Nähe haben. Freikost Deinet. Der ist zwar noch nicht komplett mit unverpacktem ausgerüstet, aber es ist immerhin eine große Hilfe in meinem Vorhaben, jetzt endlich ernst mit "zero waste" zu machen.

Ich bin jetzt gerade in der Phase "zum letzten Mal". Jetzt wird alles aufgebraucht, was da ist - schließlich nützt es nichts, halbvolle Plastikflaschen oder die Putschwämme wegzuschmeißen. Manche Behälter behalte ich für den weiteren Gebrauch.

Im Kühlschrank zeigt sich die Veränderung am schnellsten. Milch, Quark, Joghurt gibt es in Mehrweggläsern. Den Schnittkäse bekomme ich bei Freikost direkt in meine mitgebrachte Dose, Wurst kaufe ich neuerdings an der Fleischtheke. Da wird zwar auch noch Plastik drumgewickelt, ist aber nicht ganz so viel. Da werde ich mir bald mal einen Metzger suchen, der mir die Sachen in meine Dosen packt.

Losen, frisch gemahlen Kaffee bekomme ich auch bei Freikost, direkt in eine Papiertüte, die ich schon mehrfach befüllen lassen konnte. Freikost hat auch Obst und Gemüse, Nüsse aller Art, Getreide und Nudeln lose.

Tja, und dann gibt es das Internet. Ich stelle fest, hier tut sich schon lange was. Es gibt eine weltweite Bewegung der Leute, die es mit "zero waste" schon lange versuchen und viele gute Tipps auf Lager haben.

Hier ein paar Links:

Zero Waste Lifestyle

Einfach Zero Waste leben!

Zero Waste International Alliance

Utopia

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Es gibt natürlich schon eine ganze Reihe Bücher, die bei der Umstellung auf ein plastikfreies Leben helfen können. Ich werde mir als nächstes einmal "Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie" anschauen. Und dann geht es den vielen Putzmitteln an den Kragen!

Macht Ihr mit? Aller Anfang ist schwer - aber ich glaube, es lohnt sich für uns alle.